Samstag (erst den Post darunter lesen): Gemütlich aufgestanden und Mangels guter Alternativen ein paar Tempel besichtigt (ja, ich war schon viermal in Kyoto, aber es hat immer noch Tempelanlagen, welche ich nicht gesehen habe, obwohl sie superberühmt sind). Diesmal auf dem Programm: Nannzenji (geht so), Chion-in (ganz gut) und Sanjusangendo, eine Halle mit über Tausend Buddha-Statuen (1001 + 26 Generäle + 1 Haupt-Buddha), aus Holz geschnitzt und mit Gold verziert. Definitiv eine weitere Empfehlung. Amüsant, dass eine "friedfertige" Religion etwa 20 von 26 Generälen (!) mit Waffen darstellt. Aber was ich von Religion halte, wissen sicher alle Leser... Zu guter Letzt sei anzumerken, dass der Tempel eine fiese Schwelle hat, über die man leicht stolpern kann. Und das natürlich ohne Schuhe (weil Schuhe in Tempeln (oder in Gebäuden allgemein) verboten), und übel die Zehen dagegen hauen kann. Natürlich denkt man sich dann, das sei nicht weiter schlimm und humpelt zum Bahnhof, nimmt da einen Zug nach Oosaka und irgendwie wirds nicht besser, im Gegenteil, der Fuss fängt immer stärker an zu schmerzen. In Oosaka humpelt der Simulant dann grad noch so in sein Hotelzimmer, wo er den Socken auszieht und eine hübsche Entdeckung macht: Die mitlere Zehe des rechten Fusses blutet leicht, ist ebenfalls leicht angeschwollen und hat eine leicht unübliche Farbe. Klartext: Die Zehe ist knallpurpurn. Zu diesem Zeitpunkt war auch "Fuss belasten" oder "Zehe berühren" oder "Zehe bewegen" nicht mehr wirklich eine Option (ausser, man mag Schmerzen. Grosse Schmerzen).
Uns blieb nicht viel anderes übrig, als bei der Rezeption anzufragen, ob/wo wir denn einen Arzt bekommen könnten. Einschieben muss ich, dass wir im Riga Royal unterkamen, deutlich teurer (10'000 yen fürs Doppelbett), viel grösser, 1A-Service und lausige Räume. Wir konnten sämtliche Nachbarn beim Duschen/WC-Spülen und Türe-öffnen hören. Nicht ganz so erstklassig wie man erwarten würde. Das Zimmer im My Stays war besser! Aber da wäre die folgende Geschichte vielleicht weniger glimpflich gelaufen: Wir suchten also einen Arzt, und die Rezeption war sofort damit zur Stelle. Es wurde ein Termin in einem nahen Notfall-Spital reserviert (in Japan kennt man kaum Arzt-praxen, man geht immer ins Spital, und die meisten Spitäler nehmen keine Patienten auf übers Wochenende. Ich finds auch etwas fragwürdig. "Ja, ich hab hier einen Herzinfarkt, ich geduld mich mal bis Montag"?). Anyway. Rübergehumpelt, ein paar Formulare ausgefüllt und etwas gewartet und schliesslich von einer netten Ärztin untersucht; "Tut das hier weh?" - "Nein" - "Und das?" - "Gyaaaarghhh!!!!!". Sie kam zum Schluss, dass wahrscheinlich der Knochen nicht gebrochen sei, zumindest der hintere (wichtigere). Aber um sicherzugehen, könne man Röntgen. Da ich nach wie vor Einbeinig war und nicht vor hatte, meine Zehe auch nur im geringsten langfristig zu riskieren (Tango tanzen ade?! Nicht mit mir!) und ich ziemlich viele Horrorstories über falsch behandelte Fussverletzungen kenne, war der Fall klar. Einmal Durchleuchten bitte. Krieg ich so einen Bleimantel? Danke.
Das Röntgenbild war dann unmissverständlich: Kein Bruch, "nur" verstaucht. Grosse Erleichterung meinerseits, ich habe schliesslich am Sonntag eine Geburtstagsmilonga und laufe jeden Tag sehr viel zu Fuss. Wäre echt mühsam gewesen. Trotzdem löste das ein paar Probleme aus: Wir wollten eigentlich in Oosaka tanzen gehen, und das war definitiv unmöglich. Ich konnte ja kaum gehen. Oder eher: Ich konnte gar nicht gehen. Ziemlicher Gemütseinbruch und etwas Ratlosigkeit, und als Bonus etwas mit N. gestritten. Unser allererster Streit! Aber auch nur wegen dem Seltenheitswert erwähnenswert. Sie war schlecht gelaunt weil unser Abend etwas düster ausschaute, wir hatten beide Hunger und ich war natürlich auch nicht die Einfühlsamkeit in Person mit einem kaputten Fuss, der mich bei der kleinsten Bewegung zusammenzucken liess.
Wir sind dann etwas genervt per Taxi in die Stadt gefahren, aber da wir die Stadt nicht kannten und der Taxifahrer weniger als hilfreich war ("In welcher Gegend kann man gut Essen?" - "Weiss nicht.") half das nicht weiter. Trotzdem in einem der drei grossen City-Zentren etwas rumgehumpelt und nach zehn Minuten ein Restaurant gewählt. Okonomiyaki. Der Abend endete dann doch sehr gut, da der Laden absolut köstliches Essen servierte (wenn man Avokado und Tomaten mag) und sogar einen brauchbaren, bezahlbaren Rotwein auf der Karte hatte. Etwas teuer gegessen, aber wirklich, wirklich gut. chabana.com wäre die Adresse für Reisetippsucher. Wir haben uns auch sofort wieder versöhnt und hatten einen tollen Abend. Leider ohne Tango.
Tuesday, July 8, 2008
Der Teil mit den Blauen Zehen
Labels: Essen, Gesundheit, Hotel, Reisen, Tango
Grüne Wälder, Rote Tempel und Blaue Zehen
Wie kurz erwähnt war ich am Wochenende mit N. in den Ferien, wenn man denn drei Tage als "Ferien" bezeichnen kann. Japaner tun das zumindest, also schliesse ich mich dem zumindest temporär an. Unser grober Plan war: Freitags mit dem Shinkansen nach Kyoto, dort in den Hügeln Mittagessen, wandern und Tempel besichtigen, Abends durch Kyoto flanieren, übernachten, am Samstag entweder in Kyoto oder in Oosaka die Stadt geniessen, Abends in Oosaka tanzen gehen und auch dort übernachten. Nun denn, das gelang auch fast:
Freitag. Mit dem Shinkansen (Nozomi) von Tokyo nach Kyoto, etwa drei Stunden Fahrt für ein happiges Sümmchen, aber bequemer kann man nicht reisen. Dort am Bahnhof etwa eine Studen rumgeirrt, bis wir endlich den Anschluss fanden: die Eizan-Linie, ein klitzekleines Bähnchen mit nur zwei klitzekleinen Wägelchen. Damit in die Hügel nördlich von Kyoto, im Detail hiess die Ortschaft Kibune und dort ein bisschen der Strasse Hügelaufwärts gefolgt (naja, wir wurden abgeholt, aber reservieren ist nicht ganz so einfach für Ausländer). Im Dörfchen extravagant gegessen: Im Sommer legen die Einheimischen Holzplanken über den Bach, und auf die Holzplanken legen sie Tatamimatten und auf die Tatamimatten legen sie Tische und auf die Tische legen sie exquisites Essen. Und kaltes Bier. In der Sommerhitze kühlt das Flüsslein unglaublich angenehm von unten. Mittags hatte es kaum Leute, aber Abends sei es voll, wurde mir erzählt. Abends kostet es auch zweimal soviel (ca 100 Franken pro Person)... Wenn wir gewusst hätten, dass wir eingeladen werden (weil die Chefin von N. den Chef des Restaurants kennt), hätten wir Abends reserviert! Trotzdem eine absolute Empfehlung, wenn man nach Kyoto geht. Nachher zwei Schreine besucht, einen für Päärchen und einen für böse Dämonen (Tengu). Eine schöne Wanderung wäre da auch noch möglich gewesen, aber wir sind auf der falschen Seite los gelaufen und hatten keine Zeit mehr. Tipp: Von Kibune nach Kurama laufen, nicht andersrum.
Am Abend haben wir im Hotel "My Stays" übernachtet (dummer Name), ein schmuckes, gut gelegenes, strahlend neues Hotel mit sehr guten Zimmern und supergünstigen Preisen (7'740 yen das Doppelzimmer, d.h. unter 40 Franken pro Person). Definitiv eine der besten Übernachtunsmöglichkeiten in Kyoto! Zu dem Preis natürlich ohne drum-und-dran (wie Frühstück), aber Minimalausrüstung auf hohem Niveau (moderner Flach-Fernseher, Seife/Shampoo/Rasierer). Am Abend etwas durch Gion flaniert (wunderschön bei Nacht) und grad noch so was zu Essen bekommen, in Kyoto schliessen die Restaurants alle viel zu früh. Zum Schluss noch am Fluss gesessen, weil das die Päärchen in Kyoto so tun! Jawohl!
Ich breche die Posts etwas auf, sonst wird das Ding viel zu lange.
Wednesday, July 2, 2008
Meeeeeeeting
Ich sitze hier schon bald vier Stunden in einem Meeting, und alle schlafen schon fast. Aber immerhin bin ich wieder gesund und habe ziemlich viel Arbeit erledigen können in dieser Zeit. Notebook sei dank. Diese Meetings dauern echt zu lange und sind totale Zeitverschwendung.
Labels: Studium
Monday, June 30, 2008
Offenausschank
Mir gehts heute scheusslich. Leichts Kopfweh, etwas Schwindelgefühl, eventuell leichtes Fieber, dazu hundsmiserable Übelkeit. Natürlich ist mir überhaupt nicht nach Essen, aber Hunger habe ich trotzdem. Ich vermute, dass ich gestern was Dummes gegessen habe, Auswahl ist genug da. Hier wird relativ viel "offen" verkauft, das heisst gekochte Dinge, die ohne Abdeckung zur Selbstbedienung rumliegen. Gut möglich, dass sich da irgendwelche bösen Dinge darauf absiedeln können. Und gestern habe ich einige derartige Dinge gegessen.
Ich hoffe einfach, ich bin bis Ende Woche wieder fit, wir planen ein Wochenende in Kyoto/Osaka zu verbringen. Matsuri, Tango, Essen. Beim Gedanken daran wird mir schon übel. Ich gehe jetzt nach Hause, kaufe mir unterwegs was zu Essen (nur was, Kartoffeln vielleicht?) und lege mich ins Bett. Bleh.
Ach ja, Diablo 3 ist angekündigt und ich freue mich drauf.
Labels: Essen, Gesundheit
Thursday, June 26, 2008
Knowledgebase Entry #20080627175725
Japanisch: Ich werde fliessender, und unhöflicher.
Tango: Ich werde besser, aber egomanischer.
Essen: Viel, gut. Für N. gekocht. Marcella Hazan ist meine Heldin.
Trinken: Zuviel, gut.
N.: Was mach ich nur im August?
Kleine Erdbeben: In Morioka wars schlimmer, Stärke 7, hier kaum bemerkbar.
Lärmige Hunde: Es ist schlimmer geworden, ich frage mich, ob ich einen Brief schreiben soll, der nach Yakuza klingt, schliesslich gehören denen die halbe Nachbarschaft
Forschung: Immer noch langweilig, aber immerhin Fortschritte.
Vorlesungen: Wie gehabt.
RPG: Drachenblut und Blutrache, und jetzt will mir ein Drache ans Blut, eh, Leder. Zufall.
Schweizer Politik: Ich amüsiere mich wie selten. Schadenfreude? Sicher auch.
Geld: Knapp Ausreichend.
Reisepläne: Nächste Woche nach Kyoto, verweise auf Punkte 2 bis 5.
Und das hier: http://www.soyouwanttolearnjapanese.com/ ALLES WAHR!
Friday, June 6, 2008
Penissteuer
Ich habe mal wieder eine meiner Lieblingsrechnungen bekommen. Wir alle zahlen ja nicht gerne Rechnungen, aber immerhin bekommt man üblicherweise auch etwas dafür. So tut es mir nur geringfügig weh, 2000 Franken für ein neues, tolles Notebook hinzulegen, aber andere Dinge sind viel schmerzhafter. Da wäre zum Beispiel die Krankenkasse. Ich schätze, ich (bzw meine Eltern) haben in den letzten 25 Jahren für mich mehr Geld an die Krankenkassen überwiesen als ich je für Arztrechnungen aufwenden werde. Naja, ich müsste auch etwa dreimal monatlich zum Arzt gehen, damit es billiger wäre. Nun gut, mir ist klar, dass dieses Gedankenspiel so nicht aufgehen kann. Damit kann ich auch leben. Steuern sind was ähnliches. Man bezahlt sie und fragt sich, wieso zum Geier jährlich 4 Milliarden vom Militär verpulvert werden (Wortspiel beabsichtigt). Womit wir auch beim Thema wären:
Da ich nunmal mit einem Penis geboren wurde (da gibs noch weitere 3+ Milliarden Menschen mit ähnlichen Merkmalen) und das unpraktischerweise in der Schweiz, einem der Länder, die noch barbarisch genug sind, eine Milizarmee mit Wehrpflicht zu betreiben, musste ich mir irgendwann mal mit dem Thema auseinandersetzen, was ich denn da zu tun gedenke. Wie wahrscheinlich alle Leser wissen, hielts mich nicht lange dort, und deswegen bekomme ich jetzt jährlich eine Penissteuer geschickt. Warum mich das so aufregt? Warum muss ich das zahlen aber Frauen nicht? Warum hätte ich ein gutes Jahr meines Lebens damit verschwenden sollen, im Schlamm rumzurobben und in Bunkern die Flecken zu zählen (mangels Alternativen)? Und man komme mir nicht mit "Aber Frauen müssen gebähren!" Unsinn. Der Staat schickt keine bewaffnete Militärpolizei vorbei, wenn man 18 wird und schleppt einen in den Knast, wenn man nicht sofort ein paar Kinder auf die Welt bringt (Zwei Stück wäre fair). Und dass Kinderaufzug wohl auch Vatersache ist, muss ich im einundzwanzigsten Jahrhundert wohl nicht mehr gross erklären.
Und hatten wir da nicht sowas in Verfassung und/oder Gesetzbuch, wo vermerkt sei, dass Männer und Frauen gleich zu behandeln seien? Ich muss mich irren.
Vielleicht sollte ich den Militärs mal einen Brief schreiben: "Bitte schicken Sie mir keine gesetzeswidrigen Rechnungen mehr, siehe auch Paragraph x.y ZGB Seite z." Andererseits sind die sicher sehr humorvoll und betreiben mich dann gleich. Und weil die betreibende Firma sicher primär männliche Angestellte hat, die sich sehr schweizerisch denken: "OMFG, das musste ich auch! Der soll das auch!", würds wohl nicht weit reichen. Studiert niemand Jura und hat zuviel Zeit und will einen Rechtsstreit anzetteln?
Ach, und heute früh um 8:30 war mein Vermieter mit Handwerker da (ohne Vorankündigung) und hat meinen Abfluss in Ordnung gebracht. Mit neuem Klebeband. N. hat das nur um Minuten verpasst. Das wäre peinlich gewesen...
Tuesday, June 3, 2008
Mir fällt kein zweideutiges Wortspiel auf "plumbing" ein
Ich habe ein altes/neues Problem. Ich habe bei meinem Wohnungswechsel wahrscheinlich erwähnt, dass mein Abfluss etwas riecht. Das Problem liess sich mit "etwas auf den Abfluss stellen" einigermassen lösen oder zumindest deutlich reduzieren. Gestern war ich grossartig clever und liess eine Gabel hineinfallen. Jopp, Abflüsse hier sind breit genug, dass problemlos Gabeln durch passen. Als erstes habe ich etwas irritiert die Stirn gerunzelt und mich gefragt, ob ich mir das nur eingebildet hatte. Dann bin ich etwas wissenschaftlicher vorgegangen und habe mit einer anderen Gabel getestet, ob das wirklich passen würde. Leider bestätigte sich mein Verdacht, also musste ich mir etwas einfallen lassen.
Einfachste Lösung: man kann ziemlich sicher unter dem Waschbecken etwas schrauben und ein Rohr/Schlauch lösen, umdrehen und die Gabel retten. Dass dabei Wasser austreten kann ist mir bewusst und das liesse sich mit einem Kübel/Sack/Topf durchaus verhindern. Also habe ich den Schrank geöffnet und etwas gesucht. Und dann bemerkt, dass der Schlauch nur am oberen Ende angeschraubt ist, und das untere Ende abgebrochen, schlammig stinkend, mit abgerissenem Klebeband als ehemalige provisorische Befestigung, aber jetzt einfach so im Boden versinkt. Nicht der Idealfall. Ich habe also als nächstes versucht, den Schrankboden abzuschrauben (ein Unterfangen, das ich schonmal vorgenommen hatte, um das Stinkeproblem zu lösen, aber damals war der Schlauch noch befestigt). Damals konnte ich nicht alle Schrauben lösen dank eines beschädigten Gewindes, und das hatte sich in der Zwischenzeit natürlich auch nicht geändert. Immerhin konnte ich mit Kamera und Blitz ein paar Aufnahmen machen und sicherstellen, dass ich keinen Wasserschaden habe/produziere. Das Schlauchende endet in einem dickeren Schlauch, und da Wasser nur abwärts fliesst tritt nichts signifikantes aus. Trotzdem ist Klebeband vielleicht nicht die Ideal-Lösung.
Ich habe einen Brief an meinen Vermieter abgefasst (oder abfassen lassen), in dem ich sehr höflich auf das Problem hinweise und um Assistenz bezüglich der Lösung bete. Und stinken tuts ziemlich deutlich. Kanalisation direkt ins Haus, yay. Ich sehe die Ratten und Kakerlaken schon hochkrabbeln...
Labels: Wohnen