20.9.07 - Eigentlich 21., denn es ist kurz nach Mitternacht. Heute bin ich mit vergleichsweise wenig Enthusiasmus aus Hataka aufgebrochen, irgendwie war mir wenig nach Reisen, aber wenn ich nicht ein paar Kilometer mache, hänge ich am Schluss komplett fest und komme hier gar nicht mehr rum. Auf dem Weg zum Bahnhof habe ich einen Australier getroffen, wir haben etwas geplaudert, er war sehr sympathisch. Dann den Zug nach Kumamoto genommen, eineinhalb Stunden Fahrt. Unterwegs Phoenix Wright 1 fast fertig gespielt, toller Schluss, sehr empfehlenswertes Game! Die Auswahl an Herbergen im LP in Kumamoto ist enorm gering, obwohl die Stadt durchaus knapp 700'000 Einwohner hat. Eine wurde aber als "beste Wahl bei knappem Budget" empfohlen, das Minshukan Higoji. Da sitze ich zur Zeit in einem 6 Tatami grossen Zimmer (eher für 2-3 Leute gedacht) und fasse den wirklich guten Tag zusammen.
Wie gesagt, ich habe vom Bahnhof aus angerufen, weil das Ding etwas abgelegen (insbesonders einige Meter Bergauf) liegt und ich sicher nicht mein Gepäck hoch- und wieder runterschleppen wollte. Der Besitzer spricht gebrochen, aber durchaus verständlich Englisch und bot mir am Telefon sofort an, mich vom Bahnhof abzuholen (das steht auch so im LP, aber das steht da noch öfters und ist mir noch nie passiert). Willkommene Überraschung! Ich solle mich doch kurz 15 Minuten gedulden. Also kaufte ich mir was zu Essen (Mittagessen) und setzte mich unter einen grossen Baum in den Schatten, es ist schliesslich weit über 30°C heiss (gestern 36°C laut Zeitung). Nach etwa 5 Minuten kam er auch schon angebraust und lud mich und eine Französin ein. Ich habe dann mit Freuden die Konversation bestritten, da er etwas Englisch und ich etwas Japanisch kann, ging das enorm gut. Im Haus angekommen, wurde ich mit der Minimalmiete von 3000 yen pro Nacht für ein Riesenzimmer konfrontiert. Sehr gut. Als wir dann in die Stadt wollten, etwas Sight-Seeing betreiben, bot er sofort an, uns doch zum Bahnhof zu fahren, ach nein, direkt zum Schloss. Gerne namen wir auch dieses Angebot an. Dann sind wir zu zweit zwei Stunden durch das restaurierte Schloss spaziert, haben eine Samurai-Wohnung bestaunt, Bilder vom Myamoto Musashi Brunnen gemacht und dann per Tram (omg Heimat!) zum berühmten Suizen-ji-Koen gefahren. Ein netter, wenn auch nicht dermassen beeindruckender Park (wenn man Okayama gesehen hat), im Sonnenuntergang sehr schön anzuschauen.
Dann haben wir uns getrennt, ich wollte die hiesige Spezialität testen, ihr gefiel der Gedanke wenig, rohes Pferdefleisch zu essen. Und genau das habe ich dann getan. Nachdem ich eine Weile gesucht habe, bin ich auf eine "Konfiserie Swiss" gestossen, wo ich mir die Auslagen angeschaut habe (nicht sonderlich schweizerisch und nicht sonderlich aufregend) und dann gefragt habe, wo man hier am besten Basashi essen könnte. Prompt wurde ich mit Karte ausgestattet und los gings. Ich kam in einem etwas besser aussehenden Restaurant an, wo ich erst mal 30 Minuten auf einen Sitz warten musste, es war alles so gestossen voll. Schonmal ein gutes Zeichen. Um die Pointe vorwegzunehmen: Das Essen war zwar unglaublich teuer (6200 yen), aber mindestens genauso traumhaft köstlich. Amuse Bouche: Salat mit zwei Streifen blanchierten Pferdefilets, dazu ein leichter Apperitif (irgendwo zwischen Süsswein und Likör anzusiedeln). Vorspeise bestand aus kleingeschnittener Brust (auch roh), gefolgt von Filet, Speck (also das Stück, woraus man Speck machen würde, selbstverständlich roh), und noch einem Schnitz, der mir aber nicht so gefiel. Ach ja, und zwei Scheiben Nackensehne, das ist ziemlich ungeniessbar. Nächster Gang sah sehr seltsam aus. In Pilzsauce gekochte komische Dinger. Mir schwante übles. Und wurde bestätigt. Es handelte sich um Darm, bei uns geht das wohl unter Kutteln durch. Schlimmerweise war es eigentlich sehr gut, auch wenn mein Hirn sich weigerte, auf Übelkeitsgefühle zu verzichten. Etwas benommen, bestellte ich eine Flasche Nihonshu, was die Sache durchaus erleichterte, zumal ich eine gute Sorte erwischte (pure Glückssache, da ich keine Sorte kenne, keinen Namen lesen und nur nach Preis unterscheiden kann). Dann kam eine leichte Suppe (mit gekochtem Pferd drin) und schliesslich als Hauptgang ein perfekt blutig gebratenes Pferdesteak, mit etwas Gemüsebeilage und sehr japanisch anmutender Sauce. Ein Traum. Ach ja, und zum Dessert bekam ich ein kleines Sorbet (aus japanischen Mandarinen), im Normalfall halte ich wenig von Sorbets, die sind immer zu süss und meistens langweilig im Geschmack. Was für ein Irrtum. Das war schlicht und ergreifend das beste Sorbet, das ich je gegessen habe. Kurz entschlossen, bestellte ich eiskalt ein zweites und verstand gar nicht, was die Kellnerin von mir wollte, als sie mir netterweise zu erklären versuchte, dass ich dafür den Preis eines normalen Dessert Sorbets bezahlen müsste. Als ob ich diesen Preis nicht schon nachgeschaut und als "320 yen? Mir sowas von egal!" abgehakt hätte. Abgerundet wurde das Dinner davon, das der Koch (hinter der Theke, hats hier meist) 6 Jahre in Berlin lebte und wir auf Deutsch plauderten, und er mir das Menu erklären konnte.
Nachher habe ich noch etwas zu trinken gesucht, bin auf eine grosse Buchhandlung gestossen, habe sogar eine englische Abteilung gefunden und statt Getränken Bücher gekauft. Da ich dann nur noch etwa 45 Minuten Zeit hatte, um eine Bar zu finden, wenn ich noch nach Hause fahren wollte, entschloss ich mich spontan, in eine Arcade zu laufen, als ich daran vorbeikam. Dann habe ich zwei Games GGXX gespielt, eine Japanerin besiegt (Jaaaaaa!!! Mein zweiter Sieg in Japan!), und trotzdem das Tram verpasst. In was für einer Stadt fährt das letzte Tram denn um 22:45?! Aber irgendwie kann ich mir hier sehr gut orientieren, alles, was ich gesucht habe, fand ich im ersten Anlauf und auch die 2 km Weg quer durch alles bis zum Hotel waren Umweglos erledigbar. Jetzt ist gegen eins, die Klimaanlage bläst mir kalt ins Genick und ich Huste wie ein Irrer. Immerhin ist meine Stimme nur noch schlimm und nicht mehr inexistent.
Saturday, September 22, 2007
Vor 23:00 Uhr das letzte Tram? WTF?
Wednesday, September 19, 2007
Hakata
Mit dem Shinkansen nach Hakata gefahren, dort dann an der Tourist Info nach einem günstigen Hotel gefragt weil der LP kaum etwas enthält und dann dort eingecheckt. Erträgliche Hässlichkeit der Räumlichkeiten, Wahl zwischen Dormitory (2500) oder Einzelzimmer (3500, effektiv ein Doppelzimmer für mich alleine). Militär-ähnliche Kastenbetten, aber anständige Matratzen und eine regulierbare Klimaanlage. Beim engen und schlecht gelüfteten Eingangsbereich stehen viele Schuhe herum, man muss ja hier an sehr vielen Orten die Schuhe ausziehen, aber das ist nur dann ein Problem, wenn es viele Westler hat, deren Schuhe stinken prinzipiell grauenhaft. Waschen diese Leute ihre Füsse denn gar nie? Da hatte es viele Westler und man sollte tunlichst die Luft anhalten, wenn man das Gebäude betritt. Aber der wirkliche Nachteile dieser Behausung war ein anderer: Die Wände waren dünn wie Papier und man konnte hören, wenn sich der Nachbar im nächsten Zimmer laut umdrehte oder Hustete. Weniger mein Problem, ich war sehr müde und der grösste Huster, aber der Ort ist nur bedingt empfehlenswert. Ach ja, und gegenüber wurde gebaut, und mit gegenüber meine ich "hinter drei Wänden", aber es klang, als ob der Borer an meinem Bett angesetzt wäre. War noch kurz im TS und habe ein wenig mit Kela, Sera und Sio geplaudert. Ihr müsst öfter mal um 5 Uhr abends im TS sein, das ist bei mir dann Mitternacht und ich schaue immer kurz rein, wenn ich mal Internet habe.
Kyoto
Immer, wenn ich gefragt wurde, was auf meiner letzten Japanreise das Beste war, habe ich geantwortet: Der Besuch beim Teemeister Jack in Kyoto. Es ist schwer zu erklären, wieso mir das so gefallen hat. Aber irgenwie ist es unglaublich entspannend, jemandem dabei zuzuschauen, elegant (und relativ aufwändig) Tee zuzubereiten, dazu mit netten und meistens interessanten Leuten über irgendwas zu reden und zwischendurch eine Tasse enorm guten (wenn auch am Anfang sehr speziell schmeckenden) Tee zu trinken.
Gestern bot sich endlich die Gelegenheit, wieder da reinzuschauen. Jack (und seine Frau H.) leben in einem kleinen, uralten, japanischen Häuschen in Kyoto. Kyoto ist übrigens eine Stadt mit sehr vielen kleinen, verwinkelten Gässchen, in denen man sich fast enorm gut verirren könnte, wenn nicht immerhin die meisten rechtwinklig als Strassennetz aufgebaut wären. Das verhindert immerhin, dass man nicht mehr weiss, wo man ist. Es verhindert leider überhaupt nicht, dass man ein Stunde sucht, obwohl man bis auf einige hundert Meter genau weiss, wo man eigentlich hin will. Irgendwann kam ich dann aber doch ans Ziel (nachdem ich angerufen habe...), und kam dann auch noch zu meiner Tee-Zeremonie. Es war wie letztes mal sehr entspannend und angenehm. Übernachtet habe ich auf dem Boden, leider ohne anständigen Futon, sondern auf ein paar Kissen und Decken gebettet. Obwohl ich selten dermassen hart genächtigt habe, schlief ich sehr gut. Wahrscheinlich lags an der angenehm gut gelüfteten Wohnung (da wo bei uns Glas ist hats Löcher in der Wand, verschliessbar mit Bambustüren) ohne Klimaanlage.
Part II: Übrigens ist Kyoto pervers heiss und schwül und eine wahre Mückenplage. Ich habe etwas über 20 Stiche gezählt, die ich mir im Laufe eines Abends im Garten sitzend eingehandelt habe. Von zwei verschiedenen Sorten Mücke wahrscheinlich, denn die einen sind klein und knallrot, die anderen gross und nur leicht gerötet. Beissen tun beide mittelstark.
Sunday, September 16, 2007
I am Back!
Tokyo, 17.9.09, 12:45. Ryokan K-something. Habe quasi neben dem Ueno-Park ein kleines Ryokan gefunden, grosses Einzelzimmer, Bett für zwei Leute, ohne Bad. 4800 yen, nicht gerade gratis, aber ganz ok. Und die Leute hier sind netter als Mr. "We-don't-like-smart-people" K.-Inhaber. Nachdem es heute Morgen in Sendai geregnet hat, kalt war und windig, musste ich einen neuen Schirm kaufen (den letzten habe ich im Zug liegenlassen, grrrr), und in Tokyo brennt die Sonne vom Himmel, ich bin schon wieder komplett verschwitzt. Jtzt gehe ich hier erstmal duschen und dann wohl mal im Lab vorbei, Dinge ordnen, Leute treffen, Partyort heute Abend raus finden.
Ach ja, wichtiger Nachtrag betreffend mails auf mein Keitai: Scheinbar geht jeglicher ISO, solange keine öäü oder ähnliche ungewöhnliche Zeichen drin sind. Damit könnt ihr mir alle schreiben, juhu! Glaubt nicht, dass ich alles beantworte, das kostet mich schliesslich Geld! Ich schreibe dann später mal eine Antwort vom PC aus ;)
Nachtrag Zwei, 20 Minuten nach Mitternacht. Ich kann tatsächlich beliebige mails empfangen, wenn sie keine Sonderzeichen enthalten, der verskillte Pala hats zumindest geschafft, mir eines zu schicken. :P Ich komme gerade von der Farewellparty von N. nach Hause, wir waren toll Essen (Drinks à Discretion, olol? In Relation dazu bin ich quasi nüchtern!) und nachher noch Karaoke singen. Von 14 Leuten, die dabei waren (inkl. Prof!), habe ich etwa 10 (inkl. Prof!!) gehört, und einer besser als der andere. Ich fühle mich so unmusikalisch. Naja, ich selber habe nicht gesungen, da meine Stimme zur Zeit nur etwa 4 Töne zuläst (tief, sehr tief, krächzen, röcheln), dank an das kalte Wetter in Hokkaido, verdammt. War trotzdem eine Riesengaudi.
Sleepless in Sendai
19:00, wieder mal im Shinkansen, diesmal auf dem Weg nach Sendai. Ich sitze jetzt seit bald 7 Stunden im Zug. Ah, Korrektur, davon bin ich gute 1:30 ja gestanden, weil es nicht genug Sitzplätze hatte. Diese Nicht-Shinkansenzüge sind eine Qual. Extrem langsam, oft überfüllt, sehr eng, mässig klimatisiert, extrem langsam (sagte ich das schon?) und zudem rumpeln und wackeln sie so stark, dass man nicht lesen oder schreiben kann, ohne dass einem schlecht wird, wie im Auto. Ich weiss das aus erster Hand... Immerhin: Ich konnte tatsächlich mit Ta + A heute Abend in Sendai abmachen, allerdings weiss ich weder genau wann noch wo, da mein Keitai keinen Strom mehr hatte und ich seit 10 Uhr natürlich kein Internet zum mails checken hab. Jetzt lädt das Keitai im Waschraum auf, da gibts Spiegel, Strom und Wasser. Vorhang zuziehen und alle Japaner denken, da sei wer drin und lassen es liegen. Vorhin kam zwar irgendeine Durchsage betreffend Strom im Badezimmer, aber ich habe echt nicht verstanden, ob gesagt wurde, dass man es da benützen dürfe oder dass es verboten sei. Zumindest existiert ein Verbots-Schild, sondern eine Angabe, dass es 100V/50Hz sei. Sieht nach Kundenfreundlichkeit aus, ergo erlaubt. Und sonst benutze ich es trotzdem. Dieser Zug hat übrigens 100% reservierte Plätze und keine normalen. Und er ist zu etwa 95% leer. Macht sowas Sinn?
Betreffend Gesundheit: Ich bin tatsächlich ein bisschen erkältet, habe aber diese Nacht sehr gut und recht lange geschlafen (das YH in Sapporo ist toll) und fühle mich darum einigermassen fit.
Nachtrag: Als mein Keitai endlich wieder etwas empfangen konnte, musste ich leider feststellen, dass A. schon etwas vor hatte und jegliche Verabredung fiel ins Wasser. Na toll, und ich auf dem Weg nach Sendai? Hätte ich ja gleich nach Tokyo fahren können.
Trotz all dem bin ich Abends noch in die Stadt gegangen, allerdings schon etwas spät, etwa um halb 10. Da wirds in Japan immer etwas schwierig, noch etwas zu Essen zu bekommen, und nach einigem Suchen gab ich es auf, etwas neues zu entdecken und ging in dasselbe Restaurant, in dem ich A. + Ta. getroffen habe, schliesslich war To, der Koch, auch ganz cool und ich wusste, dass der Laden bis 2 Uhr früh auf hat und Essen serviert. Das hat den Tag wohl gerettet, ich hatte grossen Spass, mit To., C. (der Kellnerin) und einem weiteren Gast zu parlieren und derbe Scherze zu reissen. Immer wieder beeindruckend, wie wenig Sprache man beherrschen muss, um Zoten zu machen.
Thema Zoten: Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich eine mail-Meinungsverschiedenheit hatte mit dem Besitzer des wahrscheinlich günstigsten Hotels in Tokyo. Ich schrieb im Wesentlichen, dass ich die e-mail Regelung für unsinnig halte "... but it's your rules, so if you want me to dance, I'll dance. So I will still call tomorrow." Als Antwort kam dann ein "if you don't like it, you could book another hotel". Trotzdem musste ich natürlich anrufen (hey, ich hab geschrieben ich würd das machen), und das Gespräch lief wiefolgt:
K: Konnichiwa, ashita wa, heya ga ari masu ka? (do you have a free room tomorrow)
(nach ein Paar Sätze wechsel auf Englisch, sein Englisch ist quasi muttersprachliches Niveau)
H: What is your name?
K: Abc. (geändert fürs Internet)
H: What?
K: A B C, it's really short.
H: and your last name?
K: That IS my last name.
H: and your first name? no wait, are you the guy who wrote me this email?
K: Yes, that is me.
H: 'cause you made a kinda smart comment, and I don't like smart comments.
K: I always make smart comments. (auf den Satz bin ich ja soooo stolz)
H: I run this business and it's my rules!
K: That's what I wrote.
H: You wrote something about dancing
K: Yes, I was a smartass.
H: So we don't want your kind of people here, you should book another hotel.
K: No problem. *hang up*
Und das alles in einem ami-slang akzent, der direkt aus einem Western kommen könnte. Zu cool. Und ich habe jetzt wohl Hausverbot in einem Hotel in Tokyo (es gibt zum Glück noch eine knappe Handvoll weitere), aber das war es mir zehnmal wert! Im Normalfall muss man ja die clevere Antwort auf zwanzig schwachen finden, um schlagfertig zu sein, hier ging es nur darum, die beste aus zwanzig tollen zu wählen, da jeder seiner Sätze kiloweise Material lieferte.
Labels: Bekanntschaften, Hotel, Reisen
Friday, September 14, 2007
Unhappy with the state of affairs
15.9.07 - Der gestrige Abend verlief in etwa so wie befürchtet. Zum Glück kann ich noch Wizardry 8 auf dem Notebook fertig spielen (auch wenn ich dank Emulator und fehlender externer Maus etwas Probleme habe, zum Beispiel kann ich nicht rechtsklicken). Jetzt schreibe ich im Bus, morgens um 9:20 in Tekkyou, weil das dumme Ding von Asahidake einen Umweg über T fährt und nachher erst zum Bahnhof. Yeah, noch mehr Zeit im Bus verbracht. Ausserdem ist meine Planung hinfällig, wei K. abgesagt hat. Jetzt habe ich einen Tag mehr Zeit und bin am falschen Ort. Ach ja, und das Hotel war wirklich 10'000 yen teuer und der Service war auch nicht mehr als ganz ok. Das YH in Togakuchi war besser bei einem Drittel des Preises. Der Ort bekommt von mir eine Empfehlung als Tagesausflug, aber auf keinen Fall zum Übernachten.
Betreffend Internet: Das Starbucks von vorgestern hat gar kein Wireless (in Sapporo hat scheinbar keines, wurde mir erklärt), sondern ich muss ein privates erwischt haben. Heute Mittag war aber zuviel los im Aether und ich konnte keine stabile Verbindung bekommen. Kein Kunststück bei mehr als 10 aktiven Netzen am selben Fleck. Die anderen waren alle auf die eine oder andere Art gesichert, ich gehe mich jetzt mal über WEP-Hacking informieren, ich weiss, dass das einfach geht (WEP hat einen heftigen Bug drin, welchen man in der System Security Kernfach Vorlesung kennenlernt), ich hab nur keine Software dazu.
Abends: So, ich war an einem berühmte Ort Ramen essen, war ziemlich lausig (Das Fleisch hatte eine eher ungesunde Farbe Richtung Grün, ich habs dann mal gelassen) und mässig freundlich. Nur, weil die hier Dialekt sprechen, heisst das nicht, dass sie mein Hochjapanisch nicht verstehen können, aber scheinbar wollen sie das. Weiter zu "Japaner sind zwischendurch Deppen": Mail von einem Hotel, bei welchem ich online reserviert habe: "we are very sorry to inform you that all e-mail reservation request needs at least one week in advance." Das macht perfekt Sinn, natürlich. Schliesslich ist e-mail eine niedere Form der Kommunikation und als solches nicht würdig, Ernst genommen zu werden. Ausserdem sind gerade kurzfristige Mails technisch schwer machbar, da alles immer erst persöhnlich ausgedruckt und abgetippt werden muss. Und das in einem Land, wo jedes Mobile Phone locker 5000 Zeichen e-mails verschickt und empfängt (5 bis 15 yen), voller Bilder und Kram. Ob es wohl schlau war, eine schnippische Antwort zu schreiben? ;) Es gibt zum Glück noch eine knappe Handvoll weiterer Hotels in Tokyo, notfalls bezahle ich auch ein paar yen extra, wenn ich dafür meine Würde behalten darf. Mal davon abgesehen, dass ich für den selben Preis vom Schlafsaal auf Einzelzimmer wechsle, wie ich für ein 3-Minuten-Gespräch bezahle...
Nach den Ramen bin ich an ein Guilty Gear XX AC Turnier gegangen (kleiner Ramen, 20 Mitspieler), sehr typisches Slash-Lineup (Anji und Eddie übervertreten), mit einer AC-Jam (2x Combo = Win, Halbfinale) und einer sauguten I-no (Sieger), 10% Frauenanteil. Ich habe mich gar nicht erst eingetragen und mir die Blamage erspart, aber als ich nachher noch eine Runde mit ABA gespielt habe, erntete das zumindest bei der Charakterwahl positive Kommentare. Ich wurde dann brutalst vernichtet, aber ich beschuldige immer noch die Steuerung, ich komme mit dem Stick immer noch nicht klar. 50% Erfolgchance bei Halbkreisen ist etwas mässig, wenn zwei Key-Moves (Wortspiel) einen Halbkreis brauchen...
Als letztes bin ich in eine Gohyakku-Bar gegangen (alle Drinks 500 yen, exklusive 5% Tax, und ausser denen, die mehr kosten laut Karte...). Whisky Sour macht man hier mit Whisky + Eis + Schweppes. Fragwürdig.
Zur Zeit fühle ich mich halb-Krank, mein Hals kratzt und meine Stirn ist heiss, eventuell eine Kombination von Rauch und Alkohol, oder die HeissKalt Abwechslerei von gestern und heute früh (Schwitzen + plötzlicher Wind + Regen + etc) fordert Tribut. Ich befürchte, ich werde ein bisschen erkältet sein, darum bin ich jetzt auch ins YH und mache mal wieder Wäsche, diesmal auch die Weisse, weil es mehr als eine Maschine hat!
Keine Zeit, keine Zeit!
14.9.07, Ausnahmsweise im Zug, diesmal von Sapporo nach Asahikawa (Tomorrowriver), 11:20. Eigentlich wollte ich ja heute früh kurz noch meine Mails checken, aber ich habe eines der wenigen Starbucks ohne Internet erwischt. So ein Mist. Heute Nacht in einem Kapselhotel übernachtet. Eine interessante Abwechslung zu Youth Hostels.
Vorteile:
- "eigenes" Zimmer
- schönes Bad
- Sauna!
- Yukata, Tuch, Seife, Rasiercreme, Rasierklinge und Zahnbürste gibts einfach so.
Kein Unterschied:
- quasi Schlafsaal
- günstig
Nachteile:
- das Bad war viel zu kalt (d.h. lauwarm)
- Die Klimaanlage in meiner Kapsel war kaputt, d.h. ich musste mit offenem Eingang schlafen (zwei Kubikmeter Luft sind sehr schnell unerträglich warm), das führte dazu, dass ich zweidreimal aufwachte.
- in sämtlichen Aufenthaltsräumen wird geracht. Aufzuwachen und als erstes eine Nase kalten Rauch einzuatmen ist abartig eklig.
Wo ich schon beim Rauchen bin: Die Japaner halten es höchst interessant mit Rauchen. Einerseits herrschen an unzähligen Orten extrem rigide Verbote (auf Strassen, öffentlichen Plätzen, in Zügen, auf Bahnhöfen), andererseits wird sonst geraucht bis zum Umfallen (Arcades, Bars, Restaurants). Immerhin sind fast alle Räume mit Klimaanlagen ausgestattet, welche die Luft immerhin auf ein akzeptables Niveau bringen. Als in Sendai in einem Restaurant mein Tischnachbar eine Zigarette angesteckt hat und ich es nicht riechen konnte, war ich wirklich erstaunt (Gegenbeispiel: Im Ryokan in Morioka hat der Bewohner des Nebenzimmers geracht und ich habs gerochen...). Noch ein Pluspunkt für Starbucks: Kein Rauch. Ich hoffe, die Schweiz kriegt endlich anständige Gesetze hin, bis ich wieder dort bin (d.h. totales Rauchverbot an allen öffentlichen Orten, man kann ja ein paar Glashäusschen in Banhöfen aufstellen, in denen geraucht werden darf. So machen es die Japaner auch.) Sich in einem Häuschen auszustellen nimmt dem Rauchen auch gleich sehr viel von seiner Coolness und schreckt vielleicht ein paar Kiddies ab. Zigaretten kosten hier übrigens 300 yen, d.h. 50% so teuer wie bei uns, aber das Lohnniveau ist auch etwa halb so hoch, wobei diverse Artikel in ganz anderem Verhältnis stehen wie bei uns.
Warum ich nach Asahikawa fahre: Ich wollte eigentlich heute in Sapporo verbringen, aber das YH dort hat kein Zimmer mehr frei (wobei wärend ich mir dann überlegt habe, was ich machen wollte, eines frei wurde, aber da waren meine Pläne schon anders). Ich fahre jetzt ziemlich ins Kaff raus, gehe am späten Nachmittags etwas in einem Nationalpark wandern und Abends gross baden. Übernachtung dort und morgen zurück nach Sapporo (Abends ist ein GGXXAC Turnier, das will ich sehen), darum reise ich zur Zeit mit leichtem Gepäck (ein Set Kleidung, Tuch, Zahnbürste, Notebook) und habe meinen Kram im YH gelassen. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Ach, und ich hatte keine Gelegenheit, meinen Digitalkram aufzuladen, d.h. meine Kamera hat nur noch einen halben Akku, mein DS ist leer, mein iRiver auf 30% und mein Notebook auf 10%. Und ich habe nur einen Adapter (und nur Notebook dabei)... Ich hoffe schwer, meine Kamera hält noch bis Morgen Abend durch.
Asahidake Onsen, Ryokan, 17:40. In 20 Minuten gibts hier Abendessen, hoffentlich taugt das was. Ich hatte etwas Pech bei der Zimmersuche, das YH ist schon voll und die anderen Zimmer sind alle schweineteuer. Ich zahle hier vorraussichtlich knapp 10'000 yen für eine Nacht (immerhin mit 2 Mahlzeiten, das wäre auch 1500-2000 yen), aber trotzdem das Dreifache von meinen sonstigen Ausganben. Aber ich werde zumindest zu handeln versuchen, schliesslich musste ich ein Doppelzimmer alleine bezahlen (es gibt keine Einzelzimmer und ich kann ja schlecht jemanden von der Strasse mitnehmen), das Hotel ist nicht ausgebucht und ich bin ein armer Student. Der Besitzer scheint einen sehr netten Eindruck zu machen, vielleicht geht da ja noch was. Ach ja, und sämtliche Rotenburos (Heisse Bäder im Freien) schliessen so um 6 Uhr, damit man nicht nach dem Abendessen noch dahingehen kann (How to reduce your customers efficiently). ausser einem. Das vom YH. Irgendwie habe ich prinzipiell etwas dagegen, nochmal 500 yen für Baden im YH auszugeben, nachdem ich selber nicht im YH wohne (und es somit gratis gewesen wäre). Dabei hätte ich ein heisses Bad sowas von nötig, meine Füsse sind ganz geschunden. Das liegt daran, dass ich die falschen Schuhe angezogen habe zum wandern und zu spät realisiert habe, dass ich die stabileren in Sapporo gelassen habe.
Das war die clevere Überleitung zum positiven Teil: Ich bin mit einer Seilbahn (glaub Schweizer Marke, Sisva oder so) auf 2000 Meter Höhe gefahren und zumindest am Hang des höchsten Berges Hokkaido rumgekraxelt. Wobei unsereins bei 2290 Höhenmetern gerade mal eine einzelne Augenbraue hebt, aus Höflichkeit sozusagen. Trotzdem war die Aussicht atemberaubend, kilometerweit Berge, alles voller rötlicher Blumen, Sträucher und Bäume, daneben kleine Seen und Vulkangestein. Und als Bonus aktive Schwefelschlote, aus denen weisser, stinkender Rauch aufsteigt. Beeindruckend beeindruckend. Wireless gibts hier natürlich auch nicht, so ein Mist aber auch.
Aber ohne Baden, ohne Lobby mit lustigen Leuten, ohne Bücher und ohne Internet wird der Abend etwas schwer zu töten werden.
20:00. Essen war gut und ich habe mich gut mit einem Mitgast unterhalten (lockere 69 Jahre alt), dafür sind die genannten Probleme alle noch da und es kam eines dazu. Ich habe K. gefragt, ob sie Sonntags Zeit hätte, dann würde ich auf dem Rückweg in Morioka vorbeikommen. Fehlanzeige, sie müsse arbeiten. Tjo, das wärs dann gewesen für K+K. Dann schreib ich dem "Paar" in Sendai eine mail, ob man was Essen gehen wolle. Vorschläge, wie ich ihn elegant abservieren könnte?