Das Wochenende habe ich gut überstanden. Samstags habe ich mich mit K. getroffen, wir sind zusammen Essen, Trinken, Karaoke singen und noch mehr Trinken gegangen, war ein sehr vergnüglicher Abend. The Pillows, Angela, Maya Sakamoto :)
Sonntags habe ich ein paar Dinge eingekauft, ein paar weitere Dinge versucht einzukaufen (eine neue Maus), aber nicht das gewünschte Exemplar gefunden und ein paar Sushi gegessen. Das Sushi-Kaiten in Akihabara, in dem ich vor zwei Jahren mal war, gibts noch, haha. Ausserdem habe ich versucht, herauszufinden, wann ich wo Vorlesungen habe. Fehlanzeige. Ich weiss bis jetzt nicht, wann die Sachen stattfinden, da die Japaner es nicht für notwendig halten, dass aufzuschreiben. Es gibt scheinbar eine webpage, die diese Informationen hat (zumindest wurde mir der Link geschickt, ist leider alles japanisch und schwer verständlich), aber ich habe natürlich noch keinen Account hier, und kann darum nicht einloggen. Warum publizieren die die Stundenpläne nicht einfach? Ist das dermassen top-secret? Und im Augenblick ist überhaupt niemand im Lab, den ich fragen könnte. Bah. Hoffentlich habe ich nicht zuviele Kurse am Montag Morgen (d.h. jetzt).
Sunday, September 30, 2007
Semesterbeginn
Friday, September 28, 2007
Die letzten drei Tage
Ich sammle wohl in nächster Zeit etwas die Infos zusammen und mach nicht täglich einen Post. Es ist nämlich zeitweise schwierig, etwas sinnvolles zu finden, was man gemacht hat, wenn nicht ganz soviel los ist. Beispiele folgen ;)
Das erste Ryokan, in dem ich war, war sehr, sehr hübsch, hatte schöne Zimmer, bequeme Futons und nettes Personal. Trotzdem bin ich möglichst schnell umgezogen. Wieso? Zuviele teilweise enorm mühsame Regeln. Curfew um 1? In Tokyo?? "Please put your shoes in the shoebox. We are not responsible for theft." Ich werd zu etwas gezwungen und muss trotzdem Verantwortung tragen? Sauber! Und dutzendweise Zettel an jeglichen Flächen, was man alles nicht darf oder tun muss. Ausserdem etwas ausserhalb der Stadt (passend zu curfew!), ausserdem auch kein Internet. Also habe ich gewechselt und bin jetzt in Laufweite von der Uni.
Trotzdem gabs ein paar lustige Ereignisse bei dem alten Hotel. Ich habe mit einer Koreanerin und einem Franzosen geschwatzt, wobei der Franzose kein Japanisch und nur sehr wenig Englisch und die Koreanerin natürlich nur Koreanisch, etwas Englisch und minimal Japanisch spricht. Da der Franzose unglaublich glücklich war, dass ihn endlich mal jemand versteht, war da irgendwie sonst nichts zu wollen. Dabei war es irgendwie ganz nett mit der Koreanerin vorher... Und was haben wir daraus gelernt: Sprich nie aus Höflichkeit einen Franzosen an, der etwas depressiv ausschaut (weil er nix versteht), wenn du mit der Koreanerin beschäftigt sein könntest.
Für den Tag darauf gibts wirklich enorm wenig zu erzählen. Ich habe mich um meine japanisch-Kurse gekümmert, meinen Pass abgeholt (Hurra, ich bin Student! Hurra, ich habe einen Pass!), einige Formulare organisiert, und etwas Informationen aufgeholt, die man in drei Wochen reisen einfach verpasst.
Heute Abend war ich das erste (und hoffentlich letzte) mal in Kashiwa, der Dependance unserer Fakultät. Welcome-Party für die neu eingetroffenen Chinesen (und mich). Gab lecker Chinesisches Essen, Alkohol und Unterhaltung.
Tuesday, September 25, 2007
End of the Holiday as we know it
25.9.07 - Eigentlich glaube ich ja nicht an Schicksal (übrigends gibt es im Englischen zwei Wörter, Destiny und Fate, und im Japanischen auch, Ume und Sadame, aber kenne die Unterschiede nicht) und ziehe es vor, von Zufall zu sprechen, aber ab und an wird hier schon etwas seltsam gewürfelt. Ich habe im Shinkansen von Kyoto nach Shin-Oosaka vor einer guten Woche etwas smalltalk mit meiner Sitznachbarin gemacht und das nicht erwähnt (wenn ich das tun würde, müsste ich etwa zwei Leute täglich vorstellen). Heute bin ich auf dem Rückweg in Shin-Oosaka ausgestiegen und derselben Person begegnet. Sachen gibts.
Dies ist wohl auf längere Sich der letzte Text, der im Shinkansen entsteht, da mein JR-Pass heute ausläuft (darum fahre ich auch die 1000 km von Hakata nach Tokyo, so ein Ticket kostet 40% eines dreiwöchigen Passes). Von jetzt an bin ich wohl in und um Tokyo, was auch bedeutet, dass ich öfters Internet haben werde, hoffentlich täglich. Ich werde versuchen, einen Instantmessenger zum laufen zu bringen (Firewalls) und Skype abends anzuschmeissen. Ich müsste überall sehr einfach als Kdansky zu finden sein, wenn ihr mich sehen wollt. Ansonsten schickt mir über die üblichen Kanäle eure Nicknames, damit ich euch aufnehmen kann. ICQ speichert die Namen ja auf dem Server, da müsste ich alles haben, aber MSN und skype sind sicher lokal.
Nachtrag um 9: Ich habe im zweiten Anlauf in Tokyo eine Bleibe gefunden, ein enorm stilvolles, aber etwas unpraktisches Ryokan (Curfew???) und das beste Tonkatsu bis anhin gegessen. Ausserdem konnte der Koch durchaus gut Englisch, das ist immer amüsanter, wenn ich vom Japanischen ausweichen kann, wenn mir die Worte fehlen.
Labels: Internet
In Hakata braucht man lokale Bekannte
24.9.07, allerdings schreibe ich das Tags darauf im Shinkansen nach Tokyo. Gestern war mir einfach nicht danach und ich hatte wieder mal sowieso kein Internet. Ich habe den ganzen Tag ich Hakata zugebracht, wie schon im vorigen Eintrag erwähnt. Wie viele Orte in Japan hat auch Fukuoka/Hakata einen Ruf. Nachdem ich heute ein wissenschaftlich einwandfreie, qualitative Studie* durchgeführt habe, komme ich zum Schluss, dass die Nullhypothese erfüllt wird und die weibliche Bevölkerung hier tatsächlich besonders hübsch ist. Hey, ich habe mir das nicht ausgedacht! Leider hatte ich wenig davon, Hakata leidet beim Nightlife etwas am Wald-vor-lauter-Bäumen-Phänomen. Will sagen: Es gibt hier so unglaublich viele Clubs, Bars und Restaurants, dass ich schlicht nichts finden konnte, was meinem Geschmack entsprach, und nachdem ich zehn Türen geöffnet und durch mehrere Dutzend Fenster geschaut hatte, verging mir die Lust, ausserdem war es sowieso spät und meine Füsse waren kaputt. Also habe ich den Montag Abend lesend verbracht.
Ausserdem habe ich mich tagsüber mehrfach verirrt, obwohl die Stadt wie ein Gitter aufgebaut ist. Die Japaner sind wohl das einzige Volk auf der Welt, die die Strassen so schlecht anschreiben (nämlich gar nicht, die Blocks haben Namen, die Strassen nur selten), dass es notwendig ist, alle paar hundert Meter ein grosses Schild mit einem Ausschnitt des Stadtplanes aufzustellen. Freundlicherweise sind diese Karten immer so gedreht, dass direkt davor stehend "vorne" = "oben" ist, was die Orientierung kurzfristig erleichtert. Langfristig allerdings steckt der Teufel im Detail. Auf unseren Karten hat es nämlich solche kleinen Pfeile drauf, die Norden anzeigen. Hier hält man das nicht für notwendig. Wer will schon wissen, wo Norden ist?? ICH! Ich habe angefangen, mich am Sonnenstand zu orientieren, um die Himmelsrichtungen zu bestimmen. Warum komme ich mir so lächerlich dabei vor, wenn ich in einer der technisiertesten Gegenden der Welt eine der ältesten Orientierungstechniken verwende? Grossstadtdschungel par excéllance.
Sexmuseum
23.9.07, kurz nach Mitternacht (jaja, schon wieder eigentlich falsches Datum), Hotelzimmer. Nachdem ich gestern das Sexmuseum verpasst hatte, wollte ich das heute Morgen nachholen. Insofern ein aufwändiges Unterfangen, als ich eigentlich um 9 aufstehen wollte und dann hoch fahren, um quasi als erster reinzukommen, damit ich noch einen Tag übrig habe. Allerdings wurde es gestern wie schon erwähnt ziemlich spät (so irgendwas nach 2) und darum hatte ich nur geringe Lust, früher aufzustehen als umbedingt notwendig. Zu allem Übel stellte ich am Morgen fest, dass meine Herberge überhaupt keine Dusche hat (in der niedrigsten Preiskategorie), wahrscheinlich, weil es an jeder Strassenecke ein öffentliches Bad gibt. Das ist insofern problematisch, als dass ich Nachts ziemlich geschwitzt habe und ungern stinkend rumlaufe. Also bin ich etwas spät aufgestanden, habe meine Sachen gepackt, saubere Sachen in den Rucksack gesteckt, gestrige angezogen und bin zum einem weiteren berühmten Onsen mitten in der Stadt gepilgert. Das war auch da, wo ich schon Internet hatte, darum nahm ich zusätzlich noch das Notebook mit (ja, mein Rucksack war sehr voll). Dort gebadet, Mails und andere online-Sachen erledigt und dann festgestellt, dass schon Nachmittag ist. Trotzdem wollte ich das Museum noch besuchen und als ich endlich mit Gepäck am Bahnhof war, war es nach zwei. Spontan entschloss ich mich, doch nicht nach Myazaki zu fahren, da einfach zuviele Dinge unpassend waren. Ich würde erst spät ankommen, müsste am Montag recht bald los und die Hauptattraktion, das weltgrösste Planetarium, wäre Montags geschlossen und Sonntags war ich zu spät dran. Also bin ich einen Tag früher als geplant nach Hakata gefahren, hier gibts sicher genug Kram, um 24 Stunden mehr zu verbraten.
Zum Sexmuseum: Etwas klein, aber lustige Ansammlung von Kuriosa. Nachbildungen von Walpenisen (Giraffen sind auch gut ausgerüstet) und passenden Vaginas (da könnte man sich drin verstecken) und eine grosse Sammlung an antiken Japanischen Aktmalereien. Big L wird uns sicher gerne mit dem korrekten Namen beglücken, ich weiss es nicht auswendig und habe wie meist wärend des Schreibens kein Internet. Amüsanterweise sind diese Bilder allesamt sehr detailliert (geeignet, um im Biologieunterricht äussere und innere Labia zu unterscheiden...) und ziemlich haarig (damals war Brasilianisch halt noch nicht en vogue), aber da die Darstellung von Schamhaar in Japan zur Zeit immer noch theoretisch verboten ist, wurden alle kaschiert. Indem man auf die Scheibe des Schaukasten an der richtigen Stelle getönt hat. Nur hat das Glas gute 20 cm Distanz zum Papier selber, was bedeutet, dass man mit etwas seitlich stehen problemlos alles sehen kann. Hypocrites!
In Hakata habe ich mir dann ein etwas teureres Hotel geleistet (5150 yen Einzelzimmer, das Doppelzimmer wäre 6200, ich brauche Begleitung, dann wärs richtig billig, nur müsste ich wahrscheinlich dann sowohl den Aufpreis bezahlen wie auch die Begleitung entlöhnen...), weil ich mal wieder ein weiches Bett, unhörbare Nachbarn und eine eigene Dusche wollte. Nur Internet fehlt natürlich wieder, dafür müsste ich nochmal eine Preisklasse hoch. Aber langsam verstehe ich, warum man mehr Geld für Hotels ausgibt, als absolut notwendig wäre. Als ich das erste Mal in Japan war, habe ich bei der Unterkunft gespart was immer möglich war. Diesmal war ich einiges grosszügiger, habe in 20 Tagen knapp 900 CHF statt gut 700 CHF ausgegeben und muss sagen, dass das gar keine schlechte Investition war. Ich habe mich nur einmal über dumme Zimmergenossen aufregen müssen, hatte immer saubere Klos und oft meine Ruhe im Badezimmer. Durchaus einen Aufpreis wert. Nur etwas Schade, dass ich so keine Leute kennenlernen konnte wie in den Lobbies der Youth Hostels. Andererseits sind das eh fast alles doofe Touristen :P
Essay des Tages: Universitäten und Einstellungen dazu.
Ich beobachte hier fast täglich den von mir so getauften "Tôdai-Effekt". Der zeigt sich wiefolgt: Wenn man mit Japanern als Ausländer in Japan spricht, ist die erste Frage in 99% der Fälle: "Woher kommst du?", die zweite Frage: "Wie lange bist du schon hier?" und die dritte: "Machst du Ferien oder bist du geschäftlich hier?". Meine Antwort bei der dritten ist dann immer, dass ich zur Zeit zwar Ferien machen würde, aber ab oktober ein Austauschstudent in Tokyo sei. Frage vier ist ebenfalls offensichtlich, nämlich Uni und Studienrichtung. Und hier kommt der Tôdai-Effekt. Sobald ich sage, an welcher japanischen Uni ich sein werde, reissen alle Gesprächspartner die Augen auf, machen "eeeeeeeeehhhhhhh?????" oder "ERAI!!" (in etwa: "Beneidenswert! Wie toll!") und sind hin und weg, dass jemand an eine so unglaublich tolle Uni geht, schliesslich ist Tôdai die berühmteste Uni Japans, und gilt auch als konkurrenzlos beste. Der Effekt ist an sich sehr praktisch, es ist sozusagen ein Schubladenwechsel (Beispielschubladen: "Dummer Ausländer", "Ausländer, der Japanisch kann und darum nicht so dumm ist", "Hochintelligenter, toller Tôdai-Student") zu meinen Gunsten.
Und hier kommt das Essay: Die ETH hat in der Schweiz quasi den selben Status wie Tôdai hier, theoretisch müsste sie sogar einen noch besseren Ruf haben, schliesslich ist sie in internationalen Rankings immer deutlich vor Tôdai (top 3 vs top 10 in etwa). Aber wenn man in der Schweiz sagt, dass man an der ETH studiert, wechselt man von der "Arroganter/Fauler Student"-Schublade in die "Hochnäsiger, elitärer Sozialphobiker ohne Freunde, den man tunlichst nicht kennen sollte", oder aber der Gesprächspartner weiss gar nicht, was die ETH ist. Typisch Schweiz: Anstatt Erfolg positiv zu sehen, ist Missgunst angesagt. "Streber" im negativen Sinne gibts hier (fast) nicht, fleissig sein ist eine Tugend. Ich möchte ja nicht die totale Leistungsgesellschaft propagieren, aber da wir mehr oder weniger in einer sind, sollten wir vielleicht nicht von klein auf lernen, dass man ja nicht besser als der Durchschnitt sein sollte, wenn man keinen Ärger will. Je untalentierter und vor allem fauler man ist, desto beliebter wird man. Sehr sinnvoll, oder?
Saturday, September 22, 2007
Beppu - City of a Thousand Baths
Es ist viertel vor Neun, ich habe Hunger und heute noch fast nichts gegessen, ich sitze in der Stadt zwischen ein paar Hotels und eines davon hat ein offenes Wireless. Zwischendurch muss man halt einfallsreich sein. Ich habe mich eine Weile nicht gemeldet, weil ich schlicht kein Internet auftreiben konnte, das kommt einfach vor. Heute war ich Baden, Baden und Baden. Das war toll, aber jetzt gehe ich Essen.
Und hier die lange Fassung, geschrieben etwas später, gepostet drei Tage danach:
Nachdem mir bei der Ankunft erstmal die Französische Journalisten über den Weg lief und wir kurz Hallo sagten (die Welt ist klein), war es Zeit, sich touristisch zu betätigen; Beppu ist eine der bekanntesten (wenn nicht sogar die bekannteste) Stadt, wenn es darum geht, sich in heisses Wasser zu legen. Es gibt hier wirklich an jeder Strassenecke ein Bad, die Stadt ist voller Auspuffrohre, aus denen weiss-gelblicher Dampf strömt. Natürlich liess ich mir die Chance nicht entgehen, hier ausgiebig zu baden. Ich habe das hoch auf dem Berg gelegene Bad ausprobiert. Natürlich ist alles im Freien, inkl. Duschen (ohne Dusche, nur mit Wasserkübel und Hahn, man muss den Kübel füllen und über sich schütten. Eindeutig nicht von Leuten erdacht, die lange Haare waschen müssen, das dauert quasi ewig), und das Bad selbst ist auf einem Felsvorsprung gelegen. Der Ausblick aufs Tal war grossartig, gerade, wenn man sich dazu nackt in der Sonne aalen kann. Dazu hatte das heisse Wasser angenehme 38°C, eigentlich etwas kühl, aber in der drückenden Mittagshitze gerade angenehm. Als zweites bin ich in das nebenan gelegene Schlammbad gegangen. Nach dem Hochgenuss der ersten ein ziemlicher Reinfall. Einerseits relativ teuer (1050 yen Eintritt, 400 yen ist normal, luxusbäder sind um die 700, gerade in Beppu hat es auch viele, die gar nichts bis nur 100 yen verlangen), und dann fehlte einfach der Service. Weder Seife noch Shampoo vorhanden (üblicherweise findet man anständige Kanebo-Flüssigseife oder vergleichbare Produkte vor), Schliessfach kostet sogar nochmal 100 yen extra und das Bad selber ist auch eher zweifelhaft. Natürlich erwarte ich von einem Schlammbad keine totele Sauberkeit (wäre ja etwas sinnlos), aber die unschlammigen Orte waren auch dreckig, das heisst rostig, teilweise von Schwefelablagerungen überwachsen, die Saune war klein, dreckig und stank nach Schwefel, und die Bäder waren alle zu kalt (35°C oder so). Ach ja, und "mixed bathing (naked)" bedeutet hier dasselbe wie in der Schweiz: Male only.
Ich liess mir sagen, dass vor einigen Jahrzehnten die meisten Bäder keine Ausländer rein liessen, einfach darum, weil die Ausländer nicht verstanden, wie man japanisch korrekt badet. Man steigt nämlich nicht einfach ins heisse Wasser, sondern schrubbt sich zuerst draussen ab und benutzt das gemeinsame Wasser erst, wenn man schon sauber ist, zur Entspannung. Macht eigentlich auch Sinn, so kann man mit viel weniger Wasser viel mehr Leute bedienen. Mitlerweile haben die westler gelernt zu baden (es hat viele lustige Schilder als Hilfe, mit teilweise amüsantem Englisch "do not use soap!!") und darum darf ich auch überall rein. Aber ich habe einige Japaner gesehen, die sich selber nicht daran halten, Dreckskerle!
Und am Rande sollte man Pinkelzonen in Schwimmbädern einrichten, so wie Raucherzonen im Restaurant. Wasser fliesst ja nicht mehr als Luft, ich sehe also kein Problem.
Abends bin ich in Beppu eins trinken gegangen (schliesslich Samstag), hatte auch einen amüsanten Abend in einer Bar beim flirten mit einer Beppuanerin. Mit ein paar kleineren Hindernissen. Selbstverständlich war sie nicht single (obwohl alleine da. Fishy?), aber viel mehr genervt hat mich der Barkeeper. Dessen Job ist es, Drinks zu servieren und mich zu unterhalten, wenn sonst keine Gäste da sind. Aber wenn ich offensichtlich mit einer Frau flirte, dann hat er die Beine in die Hand zu nehmen und ein paar Gläser zu putzen! Dabei war sie schon älter als ich und ich älter als er! *aufreg*
Naja, um 2 Uhr morgens bin ich dann nach Hause gelaufen, gerade, als weitere (weibliche) Gäste auftauchten, aber ich hatte mein japanisch verschossen und zuviel Alkohol im Blut (um sinnvoll mehr japanisch zu sprechen). Crap.
Labels: Baden
Aso Mountain
21.9.07 - Die gestrige Nacht war grässlich. Die Klimaanlage blies mir kalt ins Gesicht (das konnte ich durch umpositionieren des Futons immerhin ändern), aber ich fand trotz langen Probierens nicht heraus, wie man das dumme Ding abschaltet. Doof, dass die Fernbedienungen nur mit Kanjis angeschrieben sind. Und umso ärgerlicher, dass ich die Konkurrenzmarke begriffen habe, weil ich einmal eine englisch beschriftete Bedienung in der Hand hatte und mir merken konnte, was was bedeutet. Als ob das nicht genug wäre, lässt meine Erkältung langsam nach. Gut für meine Stimme, aber was das bei einem kaputten Rachen und verstopfter Nase/Ohren bedeutet, könnt ihr euch ja vorstellen. Heftiges Husten, um den Schleim loszuwerden. Ziemlich garstig, und ich konnte bis um drei Uhr früh kein Auge zumachen. Jetzt bin ich auf dem Weg nach Aso, einem riesigen Krater mitten in Kyushu, und hoffe, rechtzeitig da anzukommen, um noch ein paar Schritte zu wanden. Sonst müsste ich morgen früh aufstehen!
Und diese Mac-Wortkorrektur ist toll. Da sie sich bei jedem start auf Englisch umstellt (und wieder einschaltet), sind quasi alle Worte rot markiert in diesem Text (Ausnahmen: war, die, toll ...). Aber aus irgendeinem Grund ist "Kyushu" im Vokabular und darum nicht rot. Beeindruckend.
And now for something completely different. Chinesen. Chinesen haben hier in Japan einen ziemlich schlechten Ruf und sind sehr unbeliebt. Natürlich geht das auf langjährige Feindschaft und Vorurteile zurück. Aber nicht nur. Chinesen haben ungeschickterweise einen komplett anderen Verhaltenskodex als Japaner, was selbst mir massiv auffällt. Sie reisen in grossen Gruppen, verstopfen damit sämtliche Ein- und Ausgänge, weil sie nicht auf die Seite gehen (dafür würde sich jeder Japaner fünfzigmal entschuldigen), rufen dauernd laut in der Gegend rum, die Kinder rennen und kreischen dauernd, kurzum, nach japanischem Verständnis zeigen sie jegliches schlechte Benehmen, das in der Öffentlichkeit möglich ist. Ach, und ausserdem haben die Chinesen in Japan allesamt sehr viel Geld und zeigen das auch. Sie laufen mit vollgestopften Einkaufstüten in auffälligen Markenlamotten rum, haben alle möglichen Gadgets dabei (der 5 jährige neben mir besitzt einen DS Lite, welchen er auf voller Lautstärke im Zug laufen lässt). Kein Wunder haben die Chinesen hier einen so schlechten Ruf, sie arbeiten mit grossem Elan daran, ihn so zu halten. Ich selber setze mich meist in einen Wagen, in dem keine Chinesen sind, da das den Lärmpegel um gut die Hälfte reduziert...
21:50, Minshukan irgendwas. Ich wollte gerade "ich fühle mich gerade wunderbar" schreiben und das genüsslich ausführen, als mich ein Tropfen Wasser im Ohr irritierte, und ich aufstand, um mir ein Wattestäbchen zu holen, um das zu änderen. Ich öffnete mein Necessaire und schon war meine gute Laune verflogen. Eine Crème-Tube wurde irgendwie verbogen und ist hinten aufgebrochen und jetzt habe ich weisse, fettige Crème auf meiner Zannbürste, Rasierpinsel, und und und. Trotzdem. Ich fühle mich gerade blendend. Ich sitze auf etwa sechs zusammengefalteten Futons gegen die Wand gelehnt, es herrscht eine angenehme Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Zimmer, und ich komme gerade vom Baden. Ich habe es nämlich endlich geschafft, ein anständiges Onsen zu finden. Erst Waschen, dann draussen heiss Baden, gefolgt von etwas heisserem Wasser drinnen, dann in die finnische Sauna und zum Schluss ins kalte Becken. Beim Haare föhnen wurde mir dann etwas schummrig vom Temperaturschock, aber nur ganz kurz. Jetzt fühle ich mich wunderbar schlaff und entspannt nach einem harten Nachmittag, habe Wasserflasche (leider keinen Wein oder sowas) und Schokoladenkekse neben mir, Notebook vor mir und es fehlt mir eigentlich nur Internet.
Ich bin nämlich heute auf den hiesigen, riesigen Vulkan geklettert. Ein dramatischer Anblick, die Fotos können das wohl gar nicht wiedergeben (wenn ich endlich mal alle Uploade, aber ich will das am Stück machen und dazu brauche ich anständiges High-Speed-Internet. Ich hatte Glück, denn im Augenblick ist er sehr aktiv und man kann nur etwa alle zwei Tage hoch gehen, ohne im Schwefeldampf zu ersticken. Alles ist voller Warnhinweise, die in fragwürdigem Englisch darauf hinweisen, dass Leute mit Asthma, Herzkrankheiten oder ähnlichem nicht hoch gehen sollten. Zudem hats überall Schutzbunker gegen fliegendes Geröll.
Und noch ein Essay: Heute auf dem Heimweg vom Onsen dachte ich mir: "Ach, wie schön, ich fühle mich gut (ok, erkältet, aber das ignoriere ich jetzt einfach), habe toll gebadet, gehe jetzt nach Hause und esse ein paar Kekse und trinke was kaltes dazu und dann lese ich den aktuellen Pratchett - Wintersmith weiter. Ach wie toll!" Als nächstes habe ich mich gefragt, warum ich mich zuhause nie auf ein Buch freue und bin habe dann einen interessanten Gedankengang gemacht. Quintessenz: Computer sind schuld. Aber nicht so, wie man denken würde. Aber ich habe grob geschätzt, wieviel Zeit ich täglich auf die eine oder andere Art vor dem PC verbringe. Sicher zu viel. Aber davon abgesehen, was mache ich da eigentlich? Ich kam zum Schluss, dass ich wohl mehr als 75% der Zeit einfach nur Text lese. WoW ist primär chat, Foren sind Text, surfen ist Text, Chats sind Text, Essays oder Fachliteratur sind Text, News sind Text und Blogs sind Text, fast alles Studiumsbezogene ist auch Text. Dazwischen vielleicht ab und an etwas youtube zur Auflockerung, aber eigentlich verbringe ich die meiste Zeit mit lesen (oder schreiben). Kein Wunder, bin ich nur bedingt dafür zu begeistern, etwas zu lesen, wenn ich schon jeden Tag einen grossen Teil meiner Zeit lesend verbringe. Hier ist das natürlich völlig anders, Internet habe ich selten und ich bin viel laufend unterwegs oder schaue mir Dinge an. Aber lesen tu ich selten. Darum freue ich mich so darauf.
Labels: Wandern