Thursday, September 13, 2007

Trainspotting

13.9.07 - Im sogenannten Expresszug von Hakodate nach Sappuro, 16:16. Heute ist der Tag des auf den und im Zug Warten. Am Morgen wollte ich noch schnell einen Tempel besuchen (siehe Bar gestern), 50 Minuten hin und zurück, dazu eine gute Stunde da bleiben, da ich um Acht aufgestanden bin, schaffe ich das bis um gegen 11:30 wieder hierher (mit Reserven) und dann fahre ich nach Sappuro. Erstes Hindernis: Der Bus zu diesem Tempel fährt nur einmal die Stunde, und ich musste ihn natürlich exakt verpassen. Eine erste Stunde gewartet, etwas zu knabbern gekauft. Als ich es dann zum Tempel geschafft habe, musste ich feststellen, dass über Mittag keine Busse zurückfahren, und ich nun die Wahl hatte, entweder eine riesige Tempelanlage in 30 Minuten zu durchrennen, oder aber bis um 14:30 (also gut drei Stunden) festzuhängen. Da der Obermönch von gestern kurz angebunden war und alle Hände voll zu tun hatte, entschied ich mich für ersteres und schaffte es somit auch um etwa 12:15 wieder nach Aomori. Dort habe ich mir etwas zu Mittag eingekauft (lustige Brötchen allerlei Spielarten, um sie im Zug zu essen), und um etwa 12:25 herausgefunden, dass mein Zug jeweils xx:21 geht. Yeah, nochmal eine Stunde gewartet. Dann immerhin gings ziemlich zügig in zwei Stunden durch den längesten Unterwassertunnel der Welt (ziemlich öde, es hat ja keine Fenster oder sowas) nach Hakodate. Unterwegs musste ich mich entscheiden, ob ich eine Nacht in Hakodate verbringen will oder direkt weiterfahren. Angesichts dessen, dass Hakodate wenig zu bieten hat (LP warnt explizit, dass die Stadt Abends mausetot sei, dann muss es ja schlimm sein), rang ich mich dazu durch, die nächsten drei Stunden im Zug zu verbringen.
Das japanische Zugsystem kennt nämlich keine Schnellzüge. Entweder ist man im Shinkansen mit 300 km/h unterwegs und hat das Gefühl, zu tief zu fliegen, oder man sitzt im "Express", welcher nur so heisst, weil er nicht dauernd anhält, aber leider trotzdem mit zwischen 50 und 80 km/h dahinzuckelt. Darum braucht man für die etwa 170 km von Hakodate nach Sapporo auch dermassen lange. Ich glaube, vorhin hat uns ein Velofahrer überholt, aber ich bin mir nicht sicher, weil es so schnell ging. Bücher habe ich ungeschickterweise schon alle gelesen (in Sapporo gibts Buchhandlungen mit englischen Abteilungen, da kaufe ich mir wieder etwas), Nintendo DS Akku ist leer (hat mich aber durch die ersten 60% gerettet), jetzt kann ich noch Musik hören und was mit dem Notebook machen. Leider ist mein Notebook immer noch etwas "clean" und hat kaum unterhaltsame Dinge drauf (welche kein Internet erfordern). Ich muss feststellen, dass ich im Bezug auf Computerkram nicht gewohnt bin, offline zu sein und alle 5 Minuten denke: "Ach, das könnte ich doch machen! Oh, braucht ja Internet." Darum nehme ich mir jetzt auch noch vor, im nächsten Starbucks meine HD mit Games und ähnlichem zu füllen, natürlich sollte es auf Mac laufen, keine externe Maus benötigen und nicht allzu neu sein (sonst brät es mir den Akku zu schnell). Vorschläge willkommen. Idealerweise Taktikkram, das entlastet das Gerät. Oder Dating-Sims, braucht nur einen Button. Sogar Mangas oder Comics würde ich nehmen, müsste einfach ohne Umstände downloadbar sein (alle durchklicken ist zu mühsam).

Starbucks, 21:30. Endlich Internet. Ganzer Tag nur im Zug war ne Qual. Wahrscheinlich muss ich Kushiro, bzw ost-Sapporo ausfallen lassen, die Regionalzüge verbraten einfach zuviel Zeit (zur anderen Küste fahren würde 5-8 Stunden dauern. Pro Weg. Und zurück müsste ich auch wieder). Abendessen war sehr lustig, im Bahnhof-Untergeschoss gibts eine Delikatessabteilung, die ich mir anschauen wollte und ein paar Sachen erstehen. Allerdings war ich relativ spät dran und nur noch ein paar Stände hatten was zu verkaufen. Dafür war quasi alles 50% heruntergesetzt und Ausverkaufsstimmung. Dann habe ich zu schnell zu viel gegessen, aber jetzt hatte ich Kaffee + Toilette + Internet, jetzt gehts mir wieder gut. Als nächstes gehts auf den Weg etwas trinken.

Ich kann es zwar nicht begründen, aber sobald ich in Sapporo ankam (welcher zurecht Klein-Tokyo genannt wird), fühlte ich mich viel wohler. Ich mag einfach grosse Städte. Ob das daher kommt, dass ich schlimme Kindheitserinnerungen vom Land zu verdrängen versuche oder ob ich einfach Neon-Reklamen mag, weiss ich nicht. Sucht mal einen Psychoanalytiker. Ach ja, ich bin zur Zeit in einem Kapselhotel untergebracht, darüber schreib ich wohl morgen was, der Eintrag hier ist lang genug.

Unforseen Circumstances

Warteraum des Bahnhofs Morioka, 10:30, 12.9.07. Der gestrige Abend lief nicht ganz wie erhofft. Positiverweise muss man erwähnen, dass es ein sehr netter, vergnüglicher Abend war. Eigentlich hatte ich geplant, in etwa folgendes zu tun: Essen bis 10 -> Karaoke (oder ähnliches) für eine Stunde -> Betrinken bis zwei Uhr früh -> "langer Abend". In der Praxis scheiterte das an ein paar sehr ungünstigen Umständen...

1. Ist K. wohl die einzige Japanerin, die Karaoke nicht mag. Das ist aber weiter nicht so schlimm, da der Teil gut durch mehr vom ersten oder dritten ersetzt werden kann.

2. Ich habe sie zwar auf gut 20 geschätzt (naja, sie ist 19, also noch etwas jünger als erwartet), hielt das aber nicht für ein grosses Hinderniss. Der Haken an der Sache? In Japan ist man mit 19 noch nicht volljährig und darf keinen Alkohol trinken. Natürlich verhält sie sich regelkonform (Japaner halt). Teil C geht hier baden.

3. Zusätzlich wohnt sie 50 Minuten ausserhalb der Stadt bei ihren Eltern (arg!), welche sie für die Nacht zurückerwarten (sehr viel mehr arg!). Da sie um 11 ihren letzten Zug erwischen wollte/musste, war meine Zeitplanung auch etwas schief (ich habe mit mindestens 2 Stunden mehr gerechnet).

So ein Mist aber auch. Hat zwar zwei Jobs (mit knapp 1000 yen die Stunde bezahlt, das macht 50% des gesetzlichen Mindestlohns in der Schweiz), nimmt kein Geld von ihren Eltern an, spricht gutes Englisch (für Japan), hat sich selber einen Sprachaufenthalt in Amerika finanziert, will Neurobiologie an einer guten Uni studieren, aber wohnt trotzdem zuhause und ist zu jung für Alkohol. Gemeinheit.
Da habe ich mich endlich damit abgefunden, dass Alkohol zum allgemeinen Plan gehört, und dann werde ich dabei von Altersbeschrönkungen aufgehalten (und bei uns wär sie sogar volljährig!!). Was lernen wir daraus: Schneller zur Sache kommen und zu junge Mädel meiden. Everything is fair in Love and war, ne?
Und eventuell liegt auch Big L. richtig: Japanerinnen finden first Base toll und bleiben gerne eine Weile da.


Ryokan in Aomori, vor Mitternacht. Diese Stadt ist ein Kaff. Hier gibts nicht mal einen Starbucks für Internet, geschweige denn ein gescheites Night-Life wochentags. Und der Lonely Planet hat (zum ersten mal) katastrophal versagt: Es soll hier zwei brauchbare Ryokan geben, ich bin bei beiden vorbei (konnte das erste telefonisch nicht erreichen und dann hatte ich keine Lust mehr) und stand einmal vor einem Gemüseladen und dann auf einem Parkplatz. Der Polizeiposten daneben bestätigte mir dann auch, dass diese zwei Hotels nicht mehr existieren. Na grossartig. Immerhin suchten die (drei Leute haben sich um mich gekümmert, toller Service) mir dann ein weiteres Ryokan raus und fragten telefonisch an, ob es noch Zimmer frei hätte (direkt einige hundert yen Telefonkosten gespart, 2 yen pro Sekunde ist einfach nur Wucher).

Dann bin ich etwas durch die Stadt gewandert auf der Suche nach einem Starbucks für Internet. Fehlanzeige. Sodann hatte ich das Problem, dass etwa 4 Uhr war und ich nicht wusste, was tun, da ich die Sehenswürdigkeiten innerhalb der Stadt unterwegs abgeklappert hatte (viel gibts da nicht) und wenig Lust auf eine 50-minütige Busfahrt zu einem weiteren Tempel verspürte. Ich hatte dann die grandiose Idee, doch eine längere Busfahrt zu unternehmen (aber per JR, also gratis anstatt 3000 yen retour) zu einem onsen-Ort in der Nähe. Musste aber feststellen, dass der letzte Bus um 15:30 fährt. Somit ist der Tag nach dem Mittagessen in Aomori quasi beendet, was für ein Kaff!

Was tut man also? Etwas trinken gehen, bisschen rumgammeln und aufs Abendessen warten. Und Lila, Lila durchlesen (Martin Suter, sehr solider Stil, gut erzählt, ziemlich fesselnd, aber vorhersehbarer Plot, nach gut 20 Seiten ist das Ende offensichtlich und es kommt dann auch so, aber durchaus einige gute Momente. Kurzweilige Lektüre für ein paar öde Stunden). Als nächstes halt Abendessen, ein weiteres mal LP gefolgt. Restaurant war relativ teuer (1550 yen für Menu), aber mickrige Portion und auch nicht gerade herausragend gut. Kein Vergleich zu den zwei Essen der letzten Tagen (10.9 war besser UND billiger, 11.9. war zwar minimal teurer, dafür dreimal soviel und doppelt so gut), aber da hatte ich auch Schwein. Doofer LP, hoffentlich versagt er in Hokkaido nicht so derb wie hier.

Am Schluss noch in eine Bar gegangen (letzte Chance für LP, auch eine Empfehlung, jetzt wollte ichs aber wissen). Die war ganz nett, hatte die klassischen Drinks im Angebot (aber mit Katakana geschrieben, ich brauchte 10 Minuten, um die Karte zu verstehen, wobei ich alle Kategorien ausgelassen habe, welche mich gerade nicht interessierten, "Burendii" zB), schliesslich Mochito getrunken und Shochu hinterher, war ganz ok. Interessante Gesellschaft gehabt von einem sehr gutaussehenden Musiker und der Frau, die ihn wahrscheinlich aushält (etwas irre und/oder betrunken, definitiv nicht hübsch und viel zu alt, aber er wird wohl seinen Grund haben, mit ihr saufen zu gehen). Ach ja, und den Tempelvorsteher des berühmten Tempels in der Gegend (ja, der mit 50 Minuten Busfahrt) in der Bar getroffen, in Begleitung zweier Frauen, im Smoking und mit Drink in der Hand. Christliche Priester machen definitiv etwas sehr, sehr falsch. Der konnte fliessend Englisch (whoa?) und jetzt bin ich explizit eingeladen, den Tempel anzuschauen. Das verlängert meinen Aufenthalt hier halt um einen halben Tag, aber kein Beinbruch. Ich muss nur schauen, dass ich auf dem Rückweg vielleicht noch die verpassten Dinge nachholen kann trotzdem rechtzeitig in Tokyo bin. Das lässt mir 2-3 Tage Hokkaido, aber mehr Wandern ertrag ich sowieso nicht. Ungeschickt ist nur, dass Hokkaido viel Fläche und keine Shinkansen hat. Das wird sehr viel Zeit fressen.

Ach ja, und wer die Anspielung im Titel errät, bekommt Bonuspunkte. Das gilt auch für "I Aten't Dead"

Monday, September 10, 2007

Auch am Montag Abend kann man ausgehen!

11.9.07 - Starbucks, High Noon.
Vorhin war ich kurz im "Mister Donutz", eine Kette, welche grossartige Donuts und ähnliche Dinge (meistens süss) hat. Und dazu servieren sie eine Brühe, die man kaum als Kaffee bezeichnen kann. Jetzt bin ich wieder im StarWirelessLanInternetBucks und trinke auch was anständiges. Wenn das so weiter geht, kann ich bis in zwei Wochen das gesamte Sortiment im Schlaf. Ah, Schlaf. Ich habe sehr interessant genächtigt: Das alte, versiffte, aber immer noch total sympatische Ryokan hat Zimmer mit Morgensonne und ohne Läden. Da ich erst gegen 2 Uhr ins Bett kam, bin ich etwas früh erwacht. Und dass ich von einem gewissen Rolf um 5 eine mail erhielt (hat gut geklappt, danke ;) hat auch nicht geholfen. Ich wusste ja nicht, dass mein Keitai in einer irren Lautstärke losplärrt, wenn etwas kommt. Das ist jetzt korrigiert, ihr dürft auch zu Unzeiten schreiben (ich bin hier 7-8 Stunden früher, je nach Sommerzeit).

Ach ja, gestern Abend: Nachdem ich etwa eine halbe Stunde durch die Stadt gewandert bin auf der Suche nach einem Lokal, habe ich mich für ein relativ teuer aussehendes, traditionell japanisch eingerichtetes in der Nähe des Bahnhofes entschieden. Immerhin konnte ich einen Teil der Karte lesen und wusste, dass es durchaus bezahlbar werden würde, solange ich keinen teuren Alkohol trinke. Am Schluss habe ich auch nur 1500 yen oder so bezahlt für ein gegrilltes Fisch-Steak, French Fries (omg Heimat!), frittiertes Gemüse und Misosuppe. Nachher bin ich dann noch einen Heben gegangen, das war fast doppelt so teuer (naja, ein fast volles Glas Nihonshu fallen lassen hilft der Rechnung überhaupt nicht (aber meine Hose riecht jetzt etwas ungewöhnlich), und am Schluss 5% Tax drauf und 400 yen Flatrate für Service berechnen ist auch nicht die feine Art, aber die Bar war ansonsten sehr cool). Aber selbst wenn ich täglich 4000 für Essen und trinken ausgebe (und das ist Edelrestaurant + Teurer Alkohol für 2 Personen (oder eine Person + deren Hose)), dazu etwa 3500 bi 4000 yen für Übernachtung plane und 1000 yen für Busse (das reicht für eine Stunde Bus fahren), habe ich tägliche Ausgaben von unter 10000 yen. Macht in 21 Tagen etwa 2000 CHF. Irgendwie leb ich auf grossem Fuss und geb nicht mal Geld dafür aus. In der Schweiz hätte ich dieselben Unkosten, wenn ich einmal die Woche auswärts Essen und trinken gehe, was ich hier aber täglich mache.

So, aber jetzt zum wichtigen Teil der Story des gestrigen Abends: Im Esslokal wurde ich von einem unglaublich sympatischen Mädchen bedient, welche sogar etwas Englisch konnte (OMG!). Wir haben etwa 10 Sätze gewechselt (viel Betrieb), Telefonnummern ausgetauscht und heute Abend hab ich ein Date (obwohl sie eigentlich heute keine Zeit hat, aber der "Ich bin nur noch einen Tag in der Stadt"-Satz (durchaus wahr) hat plötzlich Zeit geschaffen. Dank an Lomb. Passt man die eigenen Termine der Frau zuliebe an, hat sie nie Zeit; Stellt man aber ein Ultimatum, findet sich sofort eine Möglichkeit. Habe ich schon erwähnt, dass ich für Abmachungen von jetzt an zwei Wochen vorher Bescheid wissen will und 50% davon grundlos absage? Das müsste meine Beliebtheit etwa verzehnfachen.

Und was mich verdutzt: 0 Comments zu der Geschichte in Sendai. Wahrscheinlich kommt sie nicht so derb rüber wie ich sie empfand (und ihr seid eh alle viel abgebrühter), aber ein paar "ZOMG PERV!" hätte ich schon erwartet. Habt ihr alle auch kein Internet?

Morioka

10.9.07 - Im Starbucks.
Der erste Eintrag seit fast einer Woche, welchen ich direkt online schreibe, anstatt auf Reserve in irgendwelche Dateien zu speichern. Ich sitze hier im Starbucks, habe endlich Internet (nachdem mir im Internetcafè erklärt wurde, dass ich einen Virenscanner haben müsste, wenn ich dort Netz benutzen will. Ich habe ein MacBook? WTF Virenscanner?), aber hier hats einfach so Wireless. Langsam fange ich an, diesen Laden zu mögen. Kein Rauch, Platz, bequeme Sofas, Internet, guter Kaffee.

Heute früh aus Tônô aufgebrochen, Bus verpasst ("wie, der nächste fährt erst in 2 Stunden??"), aber zum Glück von jemandem zum Bahnhof mitgenommen worden. Und dabei haben wir nicht mal versucht, Autostop zu machen, sondern die nette Lady hat uns einfach so angeboten, uns mitzunehmen. "Wir", das waren ich (news!) und ein Kalifornier, den ich im YH Tônô getroffen habe, erst war er mir total unsympatisch, aber dann hat sich mein erster Eindruck geändert und wir sind gemütlich zusammen zum Bahnhof gepilgert und haben uns gut unterhalten über diverse CCGs. Dort mussten wir erfahren, dass eine Lok ausgefallen sei und bis auf weiteres sämtliche Züge nicht fahren würden. Na toll, und das mitten am Arsch der Welt. Sind also was essen gegangen, zwei Stunden später gabs dann wirklich wieder was, und dann haben wir uns getrennt.

Nach Morioka gefahren, hier einfach mal zu einem Ryokan gelaufen, aber da höchst unfreundlich abgewimmelt worden ("Haben Sie angerufen? Nicht?! Dann können Sie hier nicht schlafen!!"), aber scheinbar war alles voll. Naja, das kann man auch netter sagen, auch wenn ich angerufen hätte, wäre kein Zimmer frei geworden. Aber der Anruf hätte mich locker 400 yen oder mehr (10% der Übernachtungskosten) gekostet, die Tarife sind hier irre. Also Führer gezückt, zwei Strassen weiter gelaufen, und da enorm warm von einer leicht senilen alten Dame empfangen worden. Total enges, nicht perfekt sauberes und etwas schäbiges Ryokan, aber sehr billig und irgendwie total sympatisch. Als nächstes im Regen zu einem lokalen Mediamarktverschnitt gerannt und Kabel für die Kamera gekauft.

Tjo, und dann Starbucks. Jetzt gehe ich etwas zu essen suchen und nette Gesellschaft für den Abend, ich kann ja nicht gut alleine rumhängen. Es finden mich eh alle supertoll, weil ich ein Ausländer bin, der Japanisch gelernt hat. Das wurde mir gestern von jemandem im YH erklärt: Weil ich mich auf Japan einlassen würde, indem ich die Mühe auf mich nehme, die Sprache zu lernen, sei ich ein totales Vorbild (weil das alle ganz beneidenswert finden), und darum seien alle so nett zu mir. Mir solls recht sein. Aber ich als Vorbild? Ich hoffe, ich stürze das Land nicht in einen Krieg, einen Glaubenskonflikt und eine Wirtschaftskrise zugleich.

Jitensha

9.9.07
Früh aufgestanden, Kram gepackt (warum passt heute alles problemlos in den Koffer? Letztes mal hatte ich mehr Probleme?), Handtuch aus Hotel mitgehen lassen (sorry, aber ich brauche ein zweites und habe bis jetzt keines in einer guten Grösse gefunden), Shinkansen genommen, auf Lokalzug umgestiegen, mitten im gar nichts einen Bus genommen (den zu finden war nicht ganz einfach, zum Glück gibts hier an jeder Ecke Polizeiposten, wo zwar drei Leute sitzen, aber garantiert keiner was zu tun hat. Erinnert mich an Cops (cooler Film). Die sind dann immer supernett und hilfsbereit, meist sogar auch hilfreich), dann zu Fuss zur Jugendherberge gelaufen und da eingecheckt. Enorm hübsches Häusschen, ziemlich verschrobener, aber irgendwie netter Besitzer, der aber meines Erachtens keinen blassen Schimmer von Alltagsproblemen hat, wahrscheinlich löst seine Frau diese für ihn. Beispiele: Ich wollte meine Wäsche machen, er erklärt mir Maschine und Trockner (es hat nur einen Gledschlitz und keine weiten Bedienelemente, darauf steht "30 Minuten = 100yen", ich glaub, ich häts auch so verstanden). Nachdem ich meinen Kram aus dem Trockner genommen habe (ca eine Stunde später, in der ich warten musste, schliesslich kann man in Japan nicht Wäsche machen und erst Stunden später wieder auftauchen), sagt er mir, dass es auch eine Wäscheleine hätte. Ja toll, das müsste ich vorher wissen, dann wär ich längst weg. Als ich die benutzen will, stelle ich fest, dass sie dreckiger ist als meine Schuhsolen. Ok, mache ich halt noch etwas Hausarbeit und putze erst die Leinen. Schnappe mir also den erstbesten Lumpen, der rumliegt (schaut aus wie ein Bodenlumpen, aber das ist mir ja egal) und mache mich auf den Weg. Werde dann aber vom Besitzer aufgehalten, dass ich den dafür nicht nehmen könnte und der sucht umständlich einen anderen. In der Zeit, bis ich die Leinen endlich sauber hatte, hätte ich auch meine gesamte Wäsche machen können. Übrigends ist der Kram immer noch nicht völlig trocken, die Luftfeuchtigkeit hier ist einfach zu hoch. Nochmal in den Trockner gepackt und eine Stunde drehen lassen, vielleicht reicht das ja.

Beispiel 2 (noch viel verreckter): Ich habe ein Fahrrad (Jitensha) gemietet und wollte damit die Gegend erkunden. Da alles total flach ist und relativ nahe zusammen (Hotel in der Mitte, längste Distanz etwa 6 km) geht das eigentlich sehr gut. Probleme: Erstens hat das Fahrrad exakt einen Gang. Das ist beim Anfahren etwas lästig, aber beim Fahren auf gerader Strecke (ohne Verkehr) wirklich nervig. Entweder strampelt man sich zu Tode oder ist im Schneckentempo unterwegs. Zweitens sind die Bremsen lausig. Naja, da ich nicht mehr als 5 km/h fahren kann nicht so schlimm. Drittens sind die Räder in einem so erbärmlichen Zustand, dass man auf auf gerader Strecke kraftvoll treten muss, oder die Reibung der Kugellager und schlecht gepumpten Reifen bremst einen (Pumpe hab ich auch keine gefunden). Viertens gibt mir der Besitzer zwar eine Karte, aber die Karte hat weder alle Strassen (sondern nur die wichtigen), noch eine Anbgabe, wo denn Norden sei, drauf. Ich habe in meinem Führer auch so eine Karte mit nicht allen Strassen, aber da sind andere Strassen gewählt worden. Na super. Ausserdem weiss ich dort zwar wo Norden ist, aber dafür habe ich keine Ahnung, wo das Hostel zu suchen wäre. Der Besitzer zeichnet mir zwar das Hostel ein, aber nicht die davor liegende Strasse, so dass ich immer noch Norden suche...

Alles in allem hat mich dieses unprofessionelle Gewurstel locker zwei Stunden gekostet, bis ich endlich auf dem richtigen Weg war. Schön, dass mir von drei geplanten Sehenswürdigkeiten dann auch zwei vor der Nase geschlossen wurden (weil die zwischen 4 und 5 zu machen, elende früh-ins-Bett-geh-Japaner). Ursprünglich wollte ich ja zwei Tage hier bleiben, aber im Angesicht dessen, dass mich das kiloweise Nerven kostet, gehe ich morgen früh weiter. Ach, und vielleicht gibts dann auch wieder mal Internet, dieses Kaff hat gar nichts, wurde mir von mehreren Seiten bestätigt. Dafür war auf dem Fahhrad dahinbrausen sehr angenehm, und im Fahrtwind schwitzt man nicht so höllisch wie sonst. Wobei ich mich wieder daran gewöhnt habe, dass es immer etwas feucht ist, und stinken tut man auch kaum noch, da man so viel mehr schwitzt als stinkende Moleküle vorhanden sind. Alles nur eine Frage der Verdünnung.

Und nun zu Fahrrädern in Japan: Ich habe ganz vergessen, wie nützlich diese Dinger eigentlich sind. Und wieviel Ärger man damit hat (Reifen luftlos, Bremsen Glücksache, Lenken fragwürdig). Aber hier gelten spezielle Verkehrsregeln für Vélos: Gar keine. Bei Rot über den Fussgängerstreifen auf der falschen Seite, ohne Licht in der Nacht und die Bremsen gehen auch nicht? Polizisten (und die sind hier eh unterbeschäftigt) ziehen nicht mal eine Wimper hoch. Es hat etwas praktisches, so zu fahren, wenn man sich weder an die Fussgänger-, noch an die Auto-Regeln halten muss. Ja, liebe Mamma, mir ist nichts passiert, es hat hier praktisch keinen Verkehr und ich war leider nicht betrunken (hier gibts nicht mal anständigen Kaffee, geschweige denn eine Bar oder sowas!)

Betreffend Kaffee: Für gewisse weibliche Leserinnen (M. oder K. kommen mir spezifisch in den Sinn) wäre der Kaffee hier gar nichts. Japaner verstehen unter "espresso" in etwa: sanfter Milchkaffee mit wenig Zucker. Und unter "Cafè Latte" verstehen sie: Milchgetränk mit Mokkageschmack. Ich finds nicht mal so schlecht, man muss einfach mit einer anderen Einstellung an die Sache ran gehen ("Softdrink mit Kaffee-aroma"). Oder ins Starbucks gehen, da schmeckt es wie bei uns. Ich lobe ja selten die grossen Ketten, aber hier bin ich wirklich mal pro-Starbucks. Um eine Richtlinie zu geben: Ich hatte heute schon vier Tassen Kaffee (oder waren es fünf?) und spüre nicht das Geringste. In der Schweiz vertrage ich nicht mehr als zwei, bevor mein Magen anfängt, sich wie wild selber zu verdauen, und mein Hirn anfängt, literweise Stresshormone auszuschütten.

Am Abend habe ich einen eher mittelmässigen Fisch gegessen (war ok, aber ich bin mitlerweile anspruchsvoll), kein Internet gefunden, schwachbrüstigen Kaffee gesoffen, lauwarm gebadet und eine 30-minütige Präsentation über die Umgebung gesehen (ohne Powerpoint), wovon ich 50% schon in Natura gesehen habe und den Rest nicht sehen will. Langsam wird mir mein schlechtes Japanisch auch lästig. Irgendwie kann ich nie das sagen, was ich will, und niemand kann mir erklären, was die korrekten Sätze wären (schliesslich wird man hier nie korrigiert). Trotzdem ist es extrem angstrengend, auch nur Small Talk zu machen. Ja, ich hatte wohl schon bessere Laune.

Festi-Rein-Vall

8.9.07
Samstag Mitternacht. Ich habe gerade den gestrigen Abend zusammengefasst (und den auch bei gestern eingeordnet), jetzt zu heute: Nachdem ich heute früh gegen 10 mit leichtem Kater (irgendwer muss mir Fell in den Mund gestopft haben, ich bin mir absolut sicher!) erwacht bin und mich dann durch Dusche/Bad/Koffer gekämpft habe, habe ich mich etwas blinzenlnd auf den Weg nach Matsushima gemacht. Traumhaftes Wetter, keine Spur vom Taifun. Mit dem Zug an die Küste gefahren, dort auf eine Halbinsel gelaufen, am Strand entlang, Schwimmen gegangen (Wasser war geradezu heiss), auf einen kleinen Berg gekraxelt (oben Shirt gewechselt weil Klitschnass, immerhin war ich so clever, eine Reserve einzupacken), Japaner mögen übrigens eine andere Art von Humor haben (dazu sicher später mal was), aber wenn man ihnen auf dem Weg nach unten entgegenkommt, verstehen sie den "Es sind noch 3 Stunden!"-Joke auch. Die Aussicht auf dem Berg war enorm, kleine Inselgruppen überall. Ich bin fast braun geworden (naja, ich habe Sonnencrème benutzt, das war mir dann etwas zu riskant, im Sommer in der Mittagssonne unter wolkenlosem Himmel in der Badehose rumrennen mit meiner weissen Haut (und meinem Instant-Sonnenbrand-Hauttyp, ein Erbe mütterlicherseits). Jetzt tun mir die Füsse weh, nach gut 10 km, davon ein rechtes Stück barfuss über Beton und Sand, als Dauerschuhträger sind die sich das nicht gewohnt.

Abend. Der Abend war echt schwach. Das Jazz-Festival war zwar ganz nett, aber eher tagsüber als Abends (und ich kam erst gegen 7 in der Stadt an, und um 9 wurde zusammengepackt, um halb 10 war Totenstille). Musiker waren von "ziemlich gut" über "ganz nett" zu mehr als wenigen "grauenhaft grottig". Und warum spielen zwei Bands nebeneinander gleichzeitig ein "I just called"-Cover (wovon eines fragwürdig und das andere geradezu fürchterlich war)? Der Song ist nicht mal im Original sonderlich gut! An den Ständen gabs hiesige Bratwurstvarianten (gebratene Fleischspiesse, mit schwankender Qualität, musste ich feststellen, die billigen waren mehr Poulethaut als Fleisch), auch enorm überteuert (für die Ausgaben des heutigen Abends (ca 2000 yen) hätte ich (sogar in Tokyo!) edel Sushi essen können) und Senf suchte ich vergebens. Ach ja, und ich habe 700 yen für weniger als 1 dl miesen Chablis ausgegeben, aber ich dachte, der sei nur 300 (Karte lesen ist Glückssache), und erst im Nachhinein bemerkt, dass die den Chianti kalt gestellt hatten... Das hätte mich sonst misstrauisch gemacht. Mit Wein in Japan habe ich bis jetzt durchgehend schreckliche Erfahrungen gesammelt, der beste war ein Kalifornier, der mehr Traubensaft als Wein war, aber als Traubensaft war der wirklich gut. Wenn man kein Bier trinkt, ist das echt etwas schwierig bei solchen Anlässen, wo man nicht auf Nihonshu oder Shochu ausweichen kann. Vielleicht fange ich hier ja damit an, ich hatte diese Woche mal eines und fand es weniger schlecht als auch schon (aber immer noch nicht gut). Um halb 10 war dann früh Schluss (und es begann auch noch zu nieseln) und mir nicht danach, jetzt noch ein gutes Sauf-Lokal zu suchen, also habe ich im Starbucks bei einem Eiskaffee meine Weiterreise geplant (Kaffee kann man hier nur in Filialen von Doutour oder Starbucks trinken, "Pronto" ist lausig und sonst gibts keine Cafés).

Dann bin ich ins Hotel und habe ca 90 Minuten Texte geschrieben.

Enge Jeans, spürbare Naht auf der Innenseite

7.9.07
Im Shinkansen von Oiyama (?) nach Sendai, gegen Mittag. Zur Zeit sitze ich auf dem Boden, mit dem Notebook auf den Knien, aber die unreservierten Wagen sind hoffnungslos überfüllt. Um mich herum hat es noch zwei weitere "Bishnismen" mit "Nôto", ich passe mich also hervorragend an.

Heute morgen bin ich aus Togakushi abgereist, mit dem Bus um 8:50 (und das nur, weil ich den um 7:50 um vielleicht 15 Minuten verpasst habe, ja, ich bin wieder viel zu früh aufgestanden, aber das Frühstück hier ist immerhin einige Entbehrungen wert. Wenn wir schon beim Essen sind: Das gestrige Abendessen war sehr köstlich. Unter anderem gab es eine Tomatensuppe/Gulaschverschnitt, welche mich sehr an Ski-Orte in der Schweiz erinnert hat (das hier ist auch ein Skiort), aber im Gegensatz zu diesen nicht durch brachiales Paprika in Höchstdosen die Zunge betäubt, sondern stattdessen mit sanften Harmonien den Gaumen umschmeichelt hat. Und solche Formulierungen benutze ich wahrscheinlich darum, weil ich gerade Murakamis "Tanz mit dem Schafsmann" lese, eine wahrhaftig erquickende Lektüre.

Und hier ein Thema, über welches ich sonst kaum schreiben oder reden mag: Das Wetter. Dank eines Taifuns hat es in den letzten drei Tagen folgende drei Arten Wetter gegeben: 1. Regen, 2. kurz davor, mit Regnen anzufangen, oder 3. gerade aufgehört zu regnen. Darum habe ich auch den Rest des gestrigen Tages lesend und badend verbracht. Trotzdem war ich dankbar dafür, dass mir nicht die Sonne auf den Kopf brannte und es unglaublich kühle 20°C war. Hier sagten alle, das sei kalt (Weichlinge!). Ich habe schon seit zwei Tagen keine kurzen Shirts mehr, und freue mich, dass ich jetzt die langarmigen Hemden tragen kann, ohne einen Hitzeschock zu erleiden (oder stinkig/stinkend herumzulaufen).

Hah! Zwischenhalt, mehr als die Hälfte der Reisenden sind ausgestiegen, Sessel frei!

Sendai, etwa 6 Uhr. Im Hotel eingecheckt, billig (4100 yen die Nacht), mickrig kleines Zimmer (aber alleine!), aber ziemlich ruhig und nette Aussicht aus dem zehnten Stock. Und ein relativ breites Bett (ca 120 cm) anstatt irgendwelcher Matten auf irgendwelchen Böden. Mal eine YH-Pause tut gut. Interessant, dass mein Lonely Planet dieses Hotel als Mid-Range bezeichnet, aber ein anderes mit 4200 yen / Nacht in der Billigstkategorie aufführt.

(Schreibezeitpunkt: Tags darauf, Mitternacht, aber am Freitag passiert, darum hier): Hier findet ein Jazz-Festival dieses Wochenende statt, darum habe ich so geplant. Nachdem ich aber erfahren musste, dass das eigentlich erst am Freitag richtig los geht (und der Taifun sowieso erst heute Nacht abschwirrt und es bis dann ziemlich hässlich stürmen wird), bin ich mit wenig Erwartungen im Regen in die Stadt gegangen. Dort ein bisschen Sightseeing betrieben, Palastmauern (im WWII alles zerstört) angeguckt, meinen Schirm zerlegt (und später den neu gekauften in der Bar vergessen, ohne ihn einmal zu benutzen, aber war eh nur 100 yen), ziemlich Nass geworden und dann umgezogen und Essen suchen gegangen. Ach, und den Tag voreilig als ziemlich mittelmässig abgeschrieben.

Laut LP sind die meisten Lokale etwa am selben Fleck, also bin ich dahin und habe ein bisschen rumgestöbert. Ich habe eine totale Hassliebe dazu, einerseits finde ich es toll, dass ich einfach etwas aussuchen kann, andererseits fühle ich mich so total hilflos, besonders, weil ich die Menukarten wenig bis gar nicht lesen kann, und nicht in die falschen Schuppen geraten möchte. Ich habe keine Lust, am Schluss 10'000 Yen auszugeben, nur weil ich von einem kostümierten Mädel sehr freundlich (mit Anfassen) bedient wurde. Und dann trotzdem nichts gute gegessen zu haben. So, zurück zur Geschichte: Ich bin also etwas ziellos rumgestolpert und habe mich dann entschieden, in ein nicht allzu teuer aussehendes Yakiniku-Restaurant zu setzen, das sehr heimelig aussah. Ich habe mich also an die Bar gesetzt und den Eigentümer/Koch "To." mit Fragen gelöchert, wie das denn hier funktioniere (man hat einen Grill vor sich und bekommt rohes Fleisch/Gemüse, welches man dann braten kann, nicht ganz einfach, 5 verschieden grosse Stücke exakt gar zu bekommen, wenn man sie auch noch nacheinander darauf legt. Fleisch-Raclette, sozusagen, koreanischer Ursprung, btw). Mein erster Banknachbar hat zwar mit grossem Elan englisch probiert, musste dann aber schon nach kurzer Zeit gehen, weil er was abgemacht hatte.
Dann kam ein Paar herein (sie "A." 27, er "Ta." 30), welches sich neben mich setzte. Warum ich das Alter so genau weiss? Man kam halt ins Gespräch, sogar sehr gut, und trank etwas Sake... erst Uulong-Tee, dann Nihonshu, dann mehr Nihonshu, dann Shochu, dann etwas mit Grapefruit und Sake, und da war glaub noch was, im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, wieviel wovon genau, an einem Punkt gab der Besitzer eine Flasche Shochu über die Theke, weil wir die Etikette anschauen wollten, aber er hat das dann vergessen und die Flasche wurde immer leerer (A. hat immer wieder nachgeschenkt, aber primär Ta, ab und zu mir und sich selber kaum, fieses Biest! Praktisch, dass ich ab einem gewissen Punkt viel betrunkener wirke, als ich wirklich bin (mein Japanisch lässt rapide nach, ich mache einen enorm müden Eindruck (kleine Äuglein, Gähnen) und meine Koordination ist lausig (Barhocker sind todbringende Hindernisse), aber ich bekomme durchaus mit, was abgeht, das verhindert, dass ich zusehr abgefüllt werde, da ich mitzähle (und Zahlen gehen immer), wie oft mir nachgeschenkt wird, und nie das "aber mein Glas war doch leer? Ach egal!"-Phänomen habe. Ta war da ganz anders, vertrug aber auch mehr, wenn ich soviel getrunken hätte wie er, hätte es düster ausgesehen. Ich hatte den Eindruck, dass A. versuche, ihn abzufüllen. Überhaupt war das Verhältnis der beiden sehr komplex/unklar (interessant?). Sie sagte mir, sie seien ein Paar. Als sie auf der Toilette war, sagte er, sie sei seine Ex (da glaube ich ihm eher, er macht einen eher traurigen/bedauernden Eindruck bei dem Kommentar, er hat auch "einsam" aus dem Wörterbuch gesucht). Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht richtig zusammen sind, denn sie hat ein bisschen viel mit mir geflirtet (und ihn schon fast ignoriert). Ein bisschen sehr sehr viel. Zumindest bin ich mir trotz Alkoholpegel sehr sicher, dass meine Hand auf ihrem Bein/Schoss irgendwie relevant ist. Sie hat sich regelrecht an mich gekuschelt aber (wie ich, wie gesagt, das geht auch betrunken) immer sehr darauf geachtet, dass er das nicht sieht, und ich bin mir absolut sicher, dass er keinen blassen Schimmer hatte, was da unter dem Tisch vor sich ging.
Auch höchst interessant war, dass er sich überlegt hat, noch in eine Hostess-Bar zu gehen (nette Mädels, hohe Preise, etwas Busen betatschen, aber kein Sex) und mich mitschleppen wollte. Das habe ich dann trotz Interesse abgelehnt (hey, ich hatte eine hübsche Japanerin neben mir sitzen, zumindest die eine Hand voll zu tun *hust* und billiger wars sowieso, mal davon abgesehen, dass ich nach wie vor moralische Bedenken habe (aber ich bin ja noch eine Weile hier und werde sicher noch kuriert)), und versucht, ihn alleine hinzuschicken. Hier kommt der Clou: A. hat ebenfalls versucht, ihn abzuschieben. Wenn ich nicht so betrunken gewesen wäre, hätte ich mich echt aufgeregt, dass ich (wir?) ihn nicht los wurde(n), darum muss die Geschichte hier auch enden. Jetzt im Nachhinein (nüchtern) reut mich das wirklich.
Naja, fast. Wir sind um 2 Uhr früh (oder wars 3?) dann noch mit dem Besitzer des Ladens Ramen essen gegangen und ich bin irgendwie noch ins Hotel gelaufen und ins Bett gefallen. Selten so gut geschlafen, trotz zu weicher Matratze. Toller Abend ;) Da ich nochmal in Sendai vorbeikomme, gibts vielleicht eine Fortsetzung (hoffe ich zumindest).